Politik und Gesellschaft :  Mikrokredite für Arbeitslose und Kleinunternehmer
Geschrieben von redaktion am 08.03.2010 17:20 (4189 x gelesen)

45.000 Mikrokredite für Arbeitslose und Kleinunternehmer im Juni 2010 geplant

Was in Südamerika und Afrika schon seit längerem Gang und Gäbe ist und das auch noch sehr erfolgreich, erreicht nun Europa. Denn im Gegensatz zur Großindustrie haben gerade Kleinstunternehmen keinerlei Fürsprecher bei Banken und erhalten aus den unterschiedlichsten Förderfonds keinerlei Hilfen. Denn die Beträge sind einfach zu gering für KFW und andere Finanzinstitute der öffentlichen Hand.

Kleinunternehmer und auch Arbeitslose sollen deshalb EU-geförderte Kredite bekommen, um eine Existenz zu gründen oder ein Kleinunternehmen zu erweitern. (Bei 99 % der Unternehmensgründungen in Europa handelt es sich um Kleinst- oder Kleinunternehmen; hinter einem Drittel dieser Gründungen stehen Arbeitslose, so die EU Kommission). Die EU-Minister für Beschäftigung und Soziales haben sich am 8. März auf diese neue Fördermaßnahme geeinigt.

Dieses europäische Mikrofinanzierungsinstrument wird anfangs mit 100 Millionen Euro ausgestattet sein. In Zusammenarbeit mit weltweit operierenden Finanzinstitutionen wie etwa der Europäischen Investitionsbank könnten letztlich mehr als 500 Millionen Euro mobilisiert werden, sofern es ernsthaft gemeint ist.

Das Geld soll ab Juni 2010 zur Verfügung stehen.

László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, sagte dazu: „Das Mikrofinanzierungsinstrument stellt für diejenigen, die unter den Auswirkungen der Krise leiden, eine echte Alternative dar und wird zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen.“ Deshalb sei diese Initiative zu begrüßen, die „dafür sorgen wird, dass benachteiligte Gruppen umfassenderen und besseren Zugang zu Mikrokrediten erhalten. Damit wird ihnen der Weg aus der Arbeitslosigkeit eröffnet. Unternehmergeist und Sozialwirtschaft werden ebenfalls davon profitieren. Wir rechnen damit, dass in den nächsten acht Jahren etwa 45 000 Existenzgründern Kleinkredite gewährt werden können."

Bei den derzeitigen Verhältnissen ist diese Ankündigung allerdings mit Argusaugen zu betrachten. Denn bisher war immer die Hausbank notwendig und diese hatte für die meisten Kleinstunternehmer wenig Verständnis aufgebracht, um Fördermittel einzuheimsen. Schließlich hat die sog. Hausbank wenig daran verdient und ob sich diese Denkweise bis dahin ändert ist zu bezweifeln.

Basierend auf Informationen des Europäischen Mikrofinanzierungsnetzes (EMN) wird der durchschnittliche Darlehensbetrag auf 11.000 EUR geschätzt. Bei einem Darlehensvolumen von 500 Mio. EUR sollte die Zahl der Begünstigten bei 45 450 liegen. Des weiteren wird die durchschnittliche Arbeitsplatzschaffung auf 1,2 je Darlehen geschätzt, also 45 450 * 1,2 = 54.540.

Dass mit 100 Millionen begonnen wird (europaweit) ist angesichts der Tatsache von Billionen an die Großbanken eher ein Witz und soll, ob der Griechenlandprobleme, die Bevölkerung wohl eher beruhigen. Das Volumen entspricht eher Brotsamen und wie die Abwicklung erfolgt steht noch völlig in den Sternen. Im Gegensatz zu Industrie und Banken haben Kleinstunternehmer nämlich keine Rechtsabteilung die sich mit derartigen Dingen beschäftigen kann.

Dieser Umstand aber ist es gerade, der die vielfältigen Fördertöpfe nicht an die Zielgruppe bringt. Weiters haften Kleinunternehmer sehr wohl bei Zahlungsproblemen.

Das Gegenteil machen sogenannte Manager in Großfirmen und Banken vor. Sie erhalten Millionen und Milliarden (als Beispiele seien der Quelle-Katalog und die Hypo Real Estate, Commerbank, Landesbanken genannt) und haften für Fehler bis dato in keiner Weise. Die Gewährleistung übernahmen bekanntlich der Steuerzahler inkl. Kleinstunternehmer, Mittelstand und Arbeitnehmer.

Lassen wir uns also überraschen: Luftnummer oder wirkliches Umdenken. Es wäre zu wünschen, wenn Europa nun von Südamerika lernt und den way of life a la USA nicht mehr auf Teufel komm raus mitgeht.

Quelle: Europäische Kommission



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