Achtung wild! Rauhnacht im Bayerischen Wald
Es gibt Tage, die von Mythen und Bräuchen umwoben sind. Die Thomasnacht vom 21. auf den 22. Dezember, die Weihnachtsnacht oder die Silvesternacht gehören dazu. Und ganz besonders die letzte der so genannten Rauhnächte, die Epiphaniasnacht vom 5. auf den 6. Januar. Im Bayerischen Wald gibt es auch heute noch den Brauch, dass im Haus an diesen Nächten tunlichst keine Unordnung zu herrschen hat und auch keine Wäsche an der Leine hängen darf.
Rauhnacht in Sankt Englmar
Die Rauhwuggerl zum Beispiel gehen am 28. Dezember im Wintersportort Sankt Englmar um. Im rauhen Pelzgewand, mit kunstvoll handgeschnitzten "schiachen Larvan" (Masken), tauchen die furchterregenden Gesellen bei Nacht und Nebel auf dem Kirchplatz auf und tanzen um ein großes Feuer, um die Geister der Rauhnacht zu bannen. Gemeinsam mit dem "bluadigen Damerl", Lucia und der Haberngoaß scheppern sie mit Kuhglocken, schnalzen mit Peitschen und lärmen auf vielfältige Weise. Unterstützung erhalten sie von den Goaßlschnalzern, den Trommlern von "Kusonga" und den Englmarer Böllerschützen. Zuschauer, die angesichts des wilden Spektakels Mühe haben, cool zu bleiben, können sich an der Schneebar mit einem Glas Rauhnachts-Glühwein Mut antrinken.
Rauhnacht in Rinchnach
Tags drauf, am Nachmittag des 29. Dezember, geben sich 400 bis 500 Rauhnachtsgestalten in Rinchnach ein Stelldichein. Nicht nur aus dem Bayerischen Wald, sondern auch aus Österreich kommen sie her und verbünden sich mit den Widdersdorfer Wolfauslassern im Kampf gegen Hexen, Kobolde und böse Geister. Ein großer Umzug läutet ihre "wilde Jagd" ein, nachher werden Feuer entzündet, um die getanzt wird. Der Abend geht in eine Rauhnachtsdisco übergeht.
Rauhnacht in Neuschönau, Waldkirchen und Untergriesbach
Von den zwölf "Lousnächten", die sich von Ende November bis Januar erstrecken, ist die Rauhnacht am 5. Januar die unheimlichste. An mehreren Orten zugleich treiben in dieser Nacht die Geister des Waldes ihr Unwesen.
In Neuschönau tauchen sie traditionsgemäß bei Einbruch der Dunkelheit auf dem Rathausplatz auf. Ob nun der Woidhausmich - halb Mensch, halb Tier -, der zweigesichtige Percht, der Glashüttengeist Durandl, d'Wöcklin oder die Howagoaß, eine riesige alte Ziege: Mit ihrem Aussehen, ihrem wilden Gehabe, aber auch mit unheimlichen Geschichten verbreiten sie Angst und Schrecken. Nur gut, dass es die Wolfauslasser mit ihren großen Kuhglocken gibt. Und noch besser, dass der Spuk im Freien gegen 20.30 Uhr ein Ende hat und sich die gruseligen Waldgeister in den Rathaussaal verziehen. Beim Lousnachtball verlieren die finsteren Sagengestalten im Nu ihren Schrecken und es wird gelacht und getanzt.
Vergeblich um Erlösung bitten die sündigen Seelen, die am Abend des 5. Januar in Waldkirchen einfallen. Heulend und lärmend bringen, mit Einbruch der Dunkelheit Räubersleut', Schatzgräber, Hexen, Tod und Teufel gruseliges Leben in die Stadt. Zur Beruhigung aller Anwesenden: die unheimlichen Gestalten sind nur kunstvolle Maskerade.
In Untergriesbach im Passauer Land kommt es hingegen gar nicht so weit. Noch bevor sich das furchteinflößende Rauhnachtsvolk zeigen kann, ziehen am Abend vor dem Dreikönigsfest - in der, wie man sagt, "foasten Rauhnacht" - die so genannten Rauhnudelsänger (Rauhnudel = ausgezogener Krapfen) von Haus zu Haus. "Krapfa heraus, Krapfa heraus, oder i stich enk a Loch ins Haus", lautet das Ende des alten Spruches, mit dem Kinder und Jugendliche die Hausbesitzer zum Erbringen des "Schutzzolls" auffordern.
Frauenauer Rauhnacht
Den 5. Januar ohne "wilde Jagd" überstanden? Den ganzen Januar nichts gesehen und gehört von den Geistern der Rauhnacht? In Frauenau weiß man, dass die Ruhe trügt: Jedes Jahr am Faschingssamstag - 2008 ist dies der 2. Februar - finden sich Wildkatz und Teufelsbraten, Nebelgeister und Nachtgespenster, Waldschrat, die Hex, die Drud, der Zaubermeister und viele mehr zum gespenstischen Rauhnacht-Treiben in der Nationalparkgemeinde ein. Besonders schön ist die Frauenauer Rauhnacht wegen ihrer phantastischen, aus Naturmaterialien gefertigten Masken.
Weitere Informationen zu den erwähnten Rauhnachts-Veranstaltungen
ð Tourist-Information Sankt Englmar, Rathausstraße 6,
94379 Sankt Englmar, Tel. .09965/840320, Fax: 09965/840330,
tourist-info@sankt-englmar.de, www.sankt-englmar.de
ð Tourist-Information Rinchnach, Gehmannsbergerstraße 12,
94269 Rinchnach, Tel. 09921/5878, Fax: 09921/6863,
TIRinchnach@t-online.de, www.rinchnach.de
ð Tourismusbüro Neuschönau, Kaiserstraße 13, 94556 Neuschönau,
Tel. 08558/960328, Fax 08558/91033, info@neuschoenau.de, www.neuschoenau.de
ð Tourist-Information Waldkirchen, Ringmauerstraße 14,
94065 Waldkirchen, Tel. 08581/19433, Fax: 08581/4090, tourismus@waldkirchen.de, www.waldkirchen.de
ð Tourist-Information Untergriesbach, Marktplatz 24, 94107 Untergriesbach, Tel. 08593/1066, Fax: 08593/9009-30, tourist@untergriesbach.de, www.untergriesbach.de
ð Tourist-Information Frauenau, Am Museumspark 1, 94258 Frauenau, Tel. 09926/9410-0, Fax: 09926/941028, info@frauenau.de, www.frauenau.de
Weitere Auskünfte: Tourismusverband Ostbayern, Luitpoldstraße 20, 93047 Regensburg, Tel. 0941/58539-0 und kostenloses Info-Tel. 0800/12 12 111, Fax: 0941/58539-39, info@ostbayern-tourismus.de, www.ostbayern-tourismus.de
| Poster | Thread |
|---|

