Zugspitzregion : 3,5 Tonnen Sprengstoff garantieren Lawinensicherheit im Zugspitzgebiet
Geschrieben von redaktion am 18.02.2005 13:50 (2168 x gelesen)

Es schneit und schneit. Seit Wochen. Vielerorts in den Alpen sind Pässe tageweise gesperrt und Skigebiete aufgrund der Lawinengefahr geschlossen.

"Wir haben eine richtige Nordstaulage. Die wird uns auch in den nächsten Tagen noch viel Niederschlag bringen", so Marcellus Spiegl von der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG.

Er und seine 14 Sprengmeister haben derzeit alle Hände voll zu tun. Aber das ist nichts wirklich Außergewöhnliches: In jedem Winter, der auf der Zugspitze sechs Monate dauert, kommt es ein paar Mal vor, dass aufgrund starker und lang anhaltender Schneefälle ohne Unterlass gesprengt werden muss.

"Pro Saison setzen wir 2,5 bis 3,5 Tonnen Sprengstoff ein, um kontrollierte Lawinenabgänge auszulösen", erklärt Marcellus Spiegl, der schon seit 36 Jahren für die Bayerische Zugspitzbahn auf Deutschlands höchstem Berg im Einsatz ist und das Gebiet besser kennt als andere ihren eigenen Garten.

Live Web Cam von der ZugspitzeDas von drei Seiten mit Felsen umringte Zugspitzplatt, das sich nach Osten hin öffnet und einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berge freigibt, gilt als landschaftlich überaus reizvoll. Aber es hat es auch in sich: Um ungetrübtes Wintersportvergnügen zu garantieren, ist jede Menge Erfahrung erforderlich.

Die 14 Sprengmeister der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG sind allesamt Mitglieder der Lawinenkommission. Dieses Expertengremium hat die Wetterentwicklungen sowie die Lage vor Ort permanent im Auge und den offiziellen Lawinenlagebericht des Wasserwirtschaftsamtes Bayern auf dem Tisch.

Wenn mit Neuschnee zu rechnen ist, müssen ein bis zwei Sprengmeister oben übernachten, damit sie am nächsten Morgen um 3.30 Uhr loslegen können. Denn wenn die ersten Skifahrer und Snowboarder zum Zugspitzplatt kommen, soll das Gebiet schon wieder lawinensicher sein.

"Normalerweise schaffen wir das auch - dann sind die Sprengungen bis 9 Uhr beendet und auch die letzte Sperrung ist wieder aufgehoben", so Marcellus Spiegl. Später wird's nur, wenn es in einer Nacht mal 60, 70 Zentimeter schneit. Dann müssen alle elf Sprengbahnen bestückt werden - mit insgesamt 140 Kilo Ladin, einem handhabungssicheren und winterfesten Sprengstoff, der als Pulver in 2,5 Kilo schweren Plastikschläuchen abgefüllt ist.

Mit Pistenraupen und je 30 bis 60 Kilo Ladin machen sich die Experten auf den Weg zu den fest im Gelände installierten Sprengbahnen, die im Prinzip aus zwei Scheiben und einem umlaufenden Stahlseil bestehen, an dem die explosive Ladung befestigt wird. Bei den kleinen Sprengbahnen wird das Ladin mit Handkurbeln oder Elektromotoren in Position gebracht.

Darüber hinaus gibt es drei bis zu drei Kilometer lange Hightechbahnen, die gleich mehrere Sprengsätze zu ihrem jeweiligen Bestimmungsort befördern. Und das muss schnell gehen. Denn vor dem Start wird die Zündschnur angesteckt - und in exakt sechs Minuten erfolgt der Knall.

Eiserne Regel: Zu diesem Zeitpunkt müssen die Sprengmeister in sicherer Entfernung vom Detonationsort sein, damit sie nicht von der Druckwelle erfasst werden. Schließlich soll der Sprengsatz nur den kontrollierten Lawinenabgang an den neuralgischen Punkten auslösen. "Dazu ist es wichtig, dass die Ladung bei der Explosion nicht im Schnee liegt - bei 1,5 bis zwei Meter über der Oberfläche erzielen wir die beste Wirkung", so Marcellus Spiegl.

Ab 25 bis 35 Zentimeter Neuschnee - je nach Windverhältnissen und Verfrachtung - müssen die Sprengmeister die Nacht bereits am Berg verbringen.

Seit gut einer Woche sind sie permanent im Einsatz. "Wir haben bereits 237 Einzelsprengungen vorgenommen - und sind gespannt darauf, was uns die Saison bis Mai noch bringen wird", sagt Marcellus Spiegl.

Weitere Auskünfte erhalten Sie dazu von der Bayerische Zugspitzbahn
Bergbahn AG, Olympiastraße 27, D-82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. (0 88 21) 797 - 0, Fax (0 88 21) 797 - 901, zugspitzbahn@zugspitze.de www.zugspitze.de

Foto: Live Web Cam Aufnahme von der Zugspitze (c) Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn


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