Film : München : Ausstellung über den Jahrhundertnuschler Hans Moser
Geschrieben von redaktion am 30.06.2005 09:00 (6298 x gelesen)

Hans Moser (1880 – 1964) in München

Wer kennt ihn nicht diesen ganz großen, bekannten und einzigartigen „Nuschler“ vor dem Herrn. Hans Moser, einer der ersten österreichischen Film- und Theatercomedians, wie man ihn heute nennen würde, wird in München gefeiert.

Am 6 August 2005 jährt sich der Geburtstag von Hans Moser zum 125. Mal. Anlass genug auf diesem Weg seinen Genius allen Generationen durch eine Ausstellung zu vermitteln.

Foto aus der Ausstellung Hans Moser im Deutschen Theatermuseum MünchenWie kaum ein anderer konnte er die sogenannten "kleinen Leute" mit ihren Nöten im Alltag bravourös in vielfältigen Rollen akzentreich darstellen.

Dabei wollte er ursprünglich gar nicht Komiker werden. Vielmehr schwebte ihm eine seriöse Schauspielkarriere vor. Da es zu seiner Zeit noch keinen Comedy-Club im Fernsehen gab und seine schauspielerischen Qualitäten erst durch den Regisseur Max Reinhardt entdeckt werden mussten, war es für den jungen Johann Julier ein entbehrungsreicher Weg über zahlreiche Provinzbühnen bis zum gewünschten Erfolg.

Der wahre Durchbruch kam mit der Entwicklung des Tonfilms in den dreißiger Jahren.

Was wäre sein Wiener Schmäh mit den typisch abgehackten Sätzen seiner scheinbaren Unbeholfenheit und Drolligkeit ohne seinen Wortwitz gewesen?

Viele Jahrzehnte nach seinem einzigartigen Wirken begeistert er immer noch mit seinen Filmen – wie die Einschaltquoten im Fernsehen und Zuschauerzahlen bei diversen Filmmatineen zeigen.

Unvergessen seine Mimik und Gestik in dem Kinoklassiker „13 Stühle“ in dem er mit Heinz Rühmann hinter einer Erbschaft herjagt.

Geradezu weltberühmt wurde er – da ins englische übersetzt – mit dem Couplet „Hallo Dienstmann“ (1952) aus dem gleichnamigen Film von Franz Antel.

Aber nicht nur das Komödiantische wird in der Münchner Ausstellung beleuchtet. Auch seine nicht unerheblichen Probleme während der Zeit des Naziregimes werden dokumentiert.

Denn um im deutschen Film während der Nazidiktatur arbeiten zu können, benötigte jeder Schauspieler eine Nummer in der Reichsfilmkammer. Nur mit einer Sonderbewilligung vom allerhöchsten Propagandaminister Joseph Goebbels war es möglich als Ausnahme zugelassen zu werden.

So ist noch heute im American Document Center Berlin eine Liste von Künstlern zu sehen, die während der Nazizeit mit einer Ausnahmegenehmigung arbeiten durften. Dabei ist auch vermerkt aus welchen Gründen: z.B. Theo Lingen - mit Halbjüdin verheiratet, Heinz Rühmann - mit Vierteljüdin verheiratet und Hans Moser: mit Volljüdin verheiratet.

Foto aus der Ausstellung Hans Moser im Deutschen Theatermuseum MünchenDazu schreibt Biograf Gregor Ball in seinem Buch „Heinz Rühmann - sein Leben, seine Filme“ (W. Heyne Verlag vergriffen): Wie Heinz Rühmann war sich auch Hans Moser nie ganz sicher, ob der Führer ihm wohlgesonnen war. Deshalb war bei Begegnungen mit Nazigrößen, bei denen oft auch Kollegen wie Theo Lingen, Paul Verhoeven, Paul Bildt, Paul Henkels, Gustaf Gründgens, Hans Moser oder andere dabei waren, die Devise: Lächeln und Schweigen oder ein wenig Nuscheln, so wie es eben Hans Moser tat.

Er war ebenso wie Rühmann­ trotz seiner jüdischen Frau zu solchen Empfängen gern geladen, da Hitler an seinem österreichischen Landsmann geradezu einen Narren gefressen hatte.

Trotzdem fühlte sich dieser immer ein wenig ängstliche und liebenswert hilflose Schauspieler nicht wohl in seiner Haut. Oft sprach er mit Rühmann über seine persönliche Situation.

Als beide nach dem "Anschluß" Österreichs (1938), in Wien gemeinsam für den Film "Dreizehn Stühle" vor der Kamera standen, erschien während der Dreharbeiten im Wachsfigurenkabinett der Wiener Gauleiter Bürckel ­ wegen seines übergroßen Durstes im Volksmund auch Bierleiter Gauckel genannt. Verschreckt verschwand Hans Moser wie der Blitz durch die Hintertür.

So sprach Heinz Rühmann mit Gauleiter Bürckel. Der war gnädig gestimmt und sagte: "Der Führer mag den Moser. Sagen Sie dem Herrn Moser, er und seine Frau stünden unter meinem persönlichen Schutz. Nichts wird ihnen passieren. Er kann mich tagsüber jederzeit anrufen."

Genau dies teilte Rühmann Hans Moser mit. Der sträubte seine Haare wie ein Kater, schniefte, zog sich auf sein Doppelkinn zurück, schoss einen seiner misstrauischsten Blicke ab und erwiderte: "Tagsüber? Und was bitte mache ich nachts?"

Hans Moser, damals beliebt wie kaum ein anderer Komiker, hatte auch viel mit einem Mann zu tun, der nur wenigen ein Begriff war. Er hieß Oskar Glück, war Filmproduzent in Wien­ und Jude! Glück beschäftigte Moser und Rühmann, solange es ging. Außer den "Dreizehn Stühlen" hatte er 1937 "Frasquita" (mit der großartigen Jarmila Novotna und Rudolf Carl) und 1937 "Der Mann, von dem man spricht" (mit Theo Lingen und Gusti Huber) mit den beiden produziert. Was unter den Schauspielern zu dem geflügelten Wort führte: „Glück muss man haben.“

Aus dieser Zeit stammt auch ein Brief Hans Mosers an Adolf Hitler dessen Original in der Münchner Ausstellung zu sehen ist.

Mein Führer!

Ich lebe mit meiner Frau seit 25 Jahren in glücklichster Ehe. Ich bin vollkommen arischer Abstammung, während meine Frau Jüdin ist. Die für Juden geltenden Ausnahmegesetze behindern mich außerordentlich, insbesondere zermürben sie mich seelisch, wenn ich ansehen muss, wie meine Frau, die so viel Gutes für mich getan hat, dauernd abseits stehen muss.

Ich würde mir nicht erlaubt haben dieses Gnadengesuch einzubringen, aber ich habe so viel Kummer (jetzt wieder durch die neuen Reisebestimmungen)

Ich bitte Sie deshalb inständigst, meiner Gattin die für Juden geltenden Sonderbestimmungen gnadenweise zu erlassen, insbesonders von der Eintragung des „J“ in ihrem Pass und von der Führung des ihr auferlegten jüdischen Vornamen zu befreien.


Heil mein Führer!
Hans Moser recte Julier
Schauspieler
Wien XIII Auhofstrasse 76




Trotzdem gelang es ihm nicht, seiner Frau Blanca den gewünschten Schutz angedeihen zu lassen. Sie musste nach Budapest emigrieren von wo sie aufgrund einer Anordnung des Auswärtigen Amts Berlin erst im Oktober 1944 wieder nach Wien zurückreisen durfte.

München und Hans Moser: In der Isarmetropole spielte er mehrmals Theater unter anderem 1959 in der Rolle des Melchior in Johann Nestroys "Einen Jux will er sich machen".

Besucher in der Ausstellung Hans MoserSein damaliger Regisseur Karl Paryla erinnert sich: "Moser brachte für seinen Melchior so viele Ideen, so viel an Situationskomik, an Erfindungen, Spiel und Gestik mit, dass seine Rolle schließlich doppelt so lang war wie von Nestroy vorgesehen. Ich würde sagen, er hat als Schauspieler Nestroy genial weitergedichtet. Er war eben nicht nur Komödiant, sondern ein denkender Gestalter".

Einige wenige Ausschnitte aus seinen über 100 Filmrollen werden dem Publikum in Kurzfilmen gezeigt.

Hans Moser Fans werden bislang Unbekanntes oder wenig Bekanntes finden und können sich anhand des umfangreichen Kataloges (VK 29,90 Euro) über Hans Mosers Lebensstationen informieren.

Als Erinnerung an den legendären „Hallo Dienstmann“ ist ein Poster für 3,50 Euro erhältlich.


Foto aus der Ausstellung Hans Moser im Deutschen Theatermuseum MünchenDie Ausstellung startet am 1. Juli und dauert bis 4. September 2005.

Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag 10:00 - 16:00 Uhr
Samstag 6. August 10:00 - 22:00 Uhr
Montag, 15. August 10:00 - 16:00 Uhr
Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Wer Hans Moser in seinen Filmen sehen möchte, dem bieten die Mathäser Kinos ab 3. Juli jeden Sonntag um 11:00 Uhr einige ausgewählte Filme. Infos zur Filmmatinee erhalten Sie unter www.mathaeser.de/filmpalast oder unter Tel. 089-515651

Weitere Informationen: Deutsches Theatermuseum München, Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden), 8039 München, Tel. 089-2106910, Fax 089-21069191, Email: deutsches-theatermuseum@extern.lrz-muenchen.de

Text: Gerd Bruckner
Fotos aus der Ausstellung Hans Moser im Deutschen Theatermuseum


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