Falcón das MikroVenezuela
Lassen Sie sich von der Verwirklichung eines Traums erzählen.
Bereits auf der Internationalen Tourismusbörse 2005 (ITB) in Berlin wurde der erste Kontakt zwischen dem Herausgeber der German News, Gerd Bruckner und dem Direktor des Fondo mixto de Falcón, Dierk Demant geknüpft. Da das Interesse beiderseits sehr groß war, das Land kennenzulernen und das Land den Deutschen näherzubringen, wurde ich gebeten, im Rahmen meiner Reise nach Venezuela den nordwestlich gelegenen Bundesstaat Falcón in Venezuela zu besuchen.
Dieser Einladung folgte ich gerne und darf ich Sie einladen Falcon als Urlaubsland kennenzulernen. Denn eines kann ich vorweg schon sagen: Falcon ist ein echter Geheimtipp !
Etwa drei Monate vor Abreise im Mai buchen Gernot, Beatriz und ich unsere Tickets nach Caracas/Venezuela direkt bei der TAP Air Portugal in München am Karlsplatz, da diese Fluglinie den günstigsten Preis anbot, 2 Koffer a 32kg Gepäck mitgenommen werden konnten und ein Zwischenstopp mit einer Übernachtung in Lissabon im VIP EDEN Hotel enthalten war.
Unsere Entscheidung für eine Zwischenlandung hat sich als richtig erwiesen, denn der Flug nach Venezuela wird ja einige Zeit in Anspruch nehmen und so kam bereits in Portugal Urlaubsstimmung auf. Probieren Sie es aus. Es lohnt sich. Auf 9 Stunden Flug müssen Sie sich nämlich gefasst machen.
Der Koffer kann von München am Lufthansa Schalter direkt nach Caracas aufgegeben werden, so dass schwere Schleppereien beim Zwischenstopp in Lissabon erspart bleiben. Im Handgepäck befindet sich nur das Nötigste für die Übernachtung in Lissabon.
WICHTIG: Der Pass muss für die Einreise nach Venezuela 2 Monate Gültigkeit besitzen!
Tipp: Sollten ein Baby mitreisen, so lassen sie sich im Flugzeug einen Platz in der ersten Reihe 2.ter Klasse geben, da man hier ein Babybett, welches von der TAP zur Verfügung gestellt wird, an die Halterung in der Wand befestigen kann und so auch der Allerkleinste von Anfang an zu seinem Wohl kommt.
Nach einem Aufenthalt in Caracas geht es dann auch schon los und so fliegen wir von Caracas mit der AVIOR Fluggesellschaft für 139 000 Bolivares einfach (dies entspricht ungefähr 73 Euro) nach Coro, der Landeshauptstadt des Bundesstaat Falcón, die etwa 400 km von Caracas entfernt ist.
Leider kommen wir mit circa 20 Minuten Verspätung an und unser begleitendes Reiseteam muss auf uns warten. Die reguläre Flugzeit beträgt nur eine Stunde.
Der gebürtige Hamburger Dierk Demant, der seit 12 Jahren in Venezuela lebt begrüßt uns mit südamerikanischer Herzlichkeit bereits am Flughafen und ist von nun an der unkomplizierte Ansprechpartner für Falcón und organisierte eine 6-tägige Tour innerhalb des Bundesstaates Falcón.
Der bereits erwähnte Fondo mixto stellte den, wie sich noch herausstellen sollte, hervorragenden Touristenführer Kok Yean Seguini, (Rufnamee Chino) und Joan Duno unseren super zuverlässigen Fahrer, der sich nicht mal abends den eigentlich wohlverdienten Cuba Libre genehmigen wollte („Verantwortung ist Verantwortung“) mit seinem Jeep zur Verfügung.
Unesco Weltkulturerbe
In einer der schönsten Städte Venezuelas, Coro, welche im 16. Jahrhundert erbaut wurde und die erste Hauptstadt Venezuelas war, kommen wir in den Genuss der teilweise wunderschön restaurierten Kolonialbauten, dessen holländischer und spanischer Einfluss noch heute vor allem im Zentrum Coros wahr genommen werden kann. Besonders fasziniert mich die hier angewendete Adobe Bautechnik, bei der Ton zusammen mit Stroh vermischt und gebrannt wird.
Dies ist auch der Grund, dass 1993 die UNESCO Coro und das etwa 20 km entfernte Hafenstädtchen La Vela zum Weltkulturerbe erklärte.
Dierk lässt uns wissen, dass dies nicht so ohne weiteres zustande kam. Zuvor folgte ein harter Kampf der einheimischen Bevölkerung. In den 1980er Jahren wollte man eine große Strasse mit Einkaufszentren im amerikanischen Stil erbauen. Welch gruselige Vorstellung. Diesem Wahnsinn sind leider schon einige Kolonialbauten zum Opfer gefallen. Unter anderem wurden von der spanischen Befestigungsanlage Fortin Steine für die heutige Hafenmole verwendet.
Eines der vielen Häuser, die gerettet wurden ist das Casa de Manila in La Vela, dessen Besitzer indianischer Abstammung sind. Hier können wir die typische Bautechnik der Kolonialzeit bewundern und bekommen einige interessante Geschichten von Dierk, Chino und der Hausbesitzerin zu hören. Das Städtchen war ein strategisch wichtiger Hafen um Piratenangriffen vorzubeugen. So ist der Name La Vela von „velar“ abzuleiten und bedeutet aufpassen.
La Vela hatte früher wichtige Handelsbeziehungen zu den niederländischen Antilleninseln Curacao und Arube. Venezuela lieferte Kaffee, Kakao und Tabak. Im Gegenzug dafür wurden Möbel und Whisky mit den Inseln getauscht. Heute ist es ein Fischerhafen in dem der geschmuggelte Whisky aus Curacao ankommt. Dies könnte auch den weltweit höchsten Whisky Verbrauch Curacaos erklären.
In Coro übernachten wir in der Posada de los pajaros, in der ich mich sofort wohl fühle. Ganz typisch für eine Posada ist, dass der Hausherr mit seiner Familie in ihr lebt. Dadurch wird alles sehr familiär und man entgeht der Anonymität großer Hotels.
Roberto, der Hausherr der eigentlich Architekt ist, bietet auch verschiedene Touren in der näheren Umgebung an. Die Posada de los pajaros ist ein liebevoll und künstlerisch eingerichtetes Haus, das im kolonial Stil Anfang des 20sten Jahrhunderts erbaut wurde. Hier können wir alle unsere Ängste über die hohe Kriminalität in Venezuela, von der wir in jedem Reiseführer gelesen haben und immer wieder von den Caracquenos gehört haben, vergessen.
Es ist nicht einmal nötig sein Zimmer abzuschließen. Schlüssel gibt es sowieso nicht dafür aber viele Geschichten. Diesmal erzählt uns Roberto abends im offenen Innenhof der Posada Geistergeschichten. Die Sage geht, dass es in diesen alten Kolonialhäusern verborgene Schätze gibt, die aber von Geistern bewacht werden.
Auf keinen Fall darf man den Schatz suchen, da die Geister einen ablenken oder verwirren und einen bis in den Wahnsinn treiben um so dass Finden des Schatzes unmöglich zu machen.
Roberto hatte nie Probleme mit den Geistern, mag sein weil er nie nach dem Schatz gesucht hat, wie er uns versichert. Mag sein weil die Posada so gemütlich eingerichtet ist, dass selbst die wildesten Geister besänftigt werden. Oder hat er es mit dem geschmuggelten Whisky geschafft die Geister zu bestechen?
Typisches venezuelanisches Frühstück
Am nächsten Morgen werden wir mit kreolischem Frühstück geweckt. Ah ich liebe es. Es besteht aus frisch zubereitetem Mangosaft, Arepa ein ganz typisches flaches Semmelchen aus Maismehl. Dazu Reis, Caraotas (schwarze Bohnen), queso blanco (Schafskäse) und einem fast fadenartigem aufgeschnittenem Rindfleisch.
Für mich, die ich gerne schon am morgen deftig esse, ein Traum. Der Tag fängt schon einmal super an.
Wer an Kultur und christlicher Geschichte in Venezuela interessiert ist, kommt in Coro voll auf seine Kosten. Wie schon erwähnt handelt sich um eine alte Kolonialstadt, die so einiges zu bieten hat. Da findet man das Crueza Clemente das erste Kreuz Venezuelas. Hier wurde der indianische Cacique Häuptling Manare als erster Einheimischer getauft. Er war einer der wenigen, der es verstand mit den spanischen Konquistadoren zu verhandeln. Die erste Kirche Südamerikas, La Catedral steht in Coro. Der Eintritt ins Diözesenes Museum und ins Museo de arte contemporanea (Museum der modernen Kunst) ist frei.
Chino führt uns weiter zum im 18.ten Jahrhundert erbauten Casa de las Ventanas de Hierro mit seinen schmiedeeisernen Fenstergittern, seinem andalusisch-maurische Einfluss und seiner kolonialen Einrichtung.
German News vor der Presse Venezuelas
Zu meiner großen Überraschung hat hier Katherine Fergusson, die Direktorin vom Fondo Mixto eine Pressekonferenz organisiert, von der ich nur wenige Minuten zuvor erfahre. Zeitungen, Radiosender, Fernsehen.
Alles ist vertreten. Bin mal gespannt was mir da erzählt wird. Vollkommen falsch gedacht. Nicht mir erzählt irgendjemand was, sondern ich soll den Fragen eine adäquate Antwort geben. Die Aufregung ist auf beiden Seiten groß.
Die Venezuelanische Presse ist sehr an uns, den drei Deutschen, interessiert. Ich, die ich noch nie in meinem Leben so geschwitzt habe, wie an diesem Vormittag und entsprechend verklebt und fertig aussehe, von Schminke kann nicht die Rede sein, soll vor der Venezuelanischen Presse in meinem unmöglichen Outfit die deutsche Presse repräsentieren. Und das auch noch völlig unvorbereitet auf Spanisch.
Au Backe! Ein Taschentuch muss reichen um die größten Schweißperlen aus meinem Gesicht aufzusaugen. Beatriz, zum Glück gebürtige Spanierin, rettet mich aus der Patsche und übersetzt ins Spanische. So verläuft die Pressekonferenz trotz all der Aufregung und Überraschung und einem gebrochenen Spanisch sehr gut und nach einer Stunde geht es weiter zur Penisula Paraguaná.
Darauf erst einmal ein Gläschen Mangosaft mit etwas Sprudelwasser.
Nationalpark Istmo de los Médanos
Doch ausruhen ist nicht drin. Vorbei an dem wunderschönen, gelben Kolonialgebäude Casa del Sol, dessen Name es auf Grund seines Sonnenmotivs am Haupteingang erhalten hat, gelangen wir nach etwa 30km über den Nationalpark Istmo de los Médanos, die einzige Wüstenlandschaft Venezuelas, auf die Penisula Paraguaná.
Die ersten Wanderdünen erscheinen, die Assoziationen mit Afrika in mir hervorrufen. Nach kurzem Suchen im Sand, entdecken wir bereits die ersten fossilen Meeresmuscheln. Obwohl es verboten ist, kann ich es mir nicht verkneifen eine einzustecken. Schande über mich.
Wer noch nie, so wie ich, wilde Baumwolle gesehen hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Von Knospen bis Blüten ist zumindest in der Regenzeit alles zu entdecken. Anhalten und Aussteigen ist also ein Muss. Vergessen Sie sich aber nicht mit Antimückenspray (OSI) zu bewappnen und am Besten ein langärmliges Hemd und eine lange Hose anzuziehen.
Es scheint als ob die dortigen Mücken nur so auf europäisches Frischfleisch warten. Und in null komma nichts befinden sich ungefähr 10-15 hungrige Mücken auf unbedeckten Körperteilen. Wie dies bei mir der Fall ist. Wenigstens habe ich geschlossene Schuhe, die mich gegen Reptilien schützen und das Laufen im weichen Sand erleichtern.
Wir flüchten in den Jeep und fahren weiter. Eigentlich bin ich ja nicht so an Kirchen interessiert, doch die im 16.ten Jahrhundert erbaute Kirche Santa Ana fasziniert auch mich. Sie enthält indianischen Einfluss. Symbole der Maya und Azteken befinden sich an ihrem Kirchturm. Niemand weiß allerdings deren Bedeutung.
Sollten Sie an der ältesten Stadt Paraguanás, Pueblo Nuevo, vorbei kommen, lohnt es sich in der Posada de Luis zu Mittag anzuhalten. Hier wird das in dieser Gegend typische Chivo al Markary (Ziegenbock) und Ovejo al Horno (Hammel) angeboten. Beides schmeckt hervorragend und lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden, falls sie dort zu später Stunde ankommen.
Die blaue Tarantel
Von dort führt uns der Weg weiter zum biologischen Reservat Monte Canu. Chino unser Guide erzählt, dass man dort die Tarantula azul (blaue Tarantel) vorfinden wird. Diese ist einzigartig und existiert nur hier auf der Penisula Paraguaná. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Noch nie habe ich eine lebende Tarantel gesehen und noch dazu "azul"! Eigentlich besteht unsere 6 tägige Tour aus einer bis ins Detail geplanten Tour, doch mein Extrawunsch diese Tarantel sehen zu wollen, konnte ins Programm integriert werden. Ich bin sehr dankbar, dass auf meinen Wunsch eingegangen wird und nicht stur ein Programm abgearbeitet wird.
Im Reservat Monte Canu angekommen, parken wir unseren Jeep und machen eine kleine Wanderung durch das Reservat. Nach circa 45 Minuten kommen wir an einer leichten Erhöhung an auf der sich eine alte verlassene Mauer befindet. In den Löchern der Mauern, erklärt Chino, befinden sich die Nester der Taranteln.
Mit geschickten Bewegungen schafft er es eine Tarantel aus ihrem Heim zu locken und wieder bin ich erstaunt was er alles sieht. Wow, die Spinne ist faszinierend. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich so nahe an eine Tarantel wagen würde. Doch die Neugier ist wesentlich größer als meine Angst. Und es bleibt ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis das man nur schwer beschreiben kann. Selber erleben kann ich da nur sagen.
Danach wollten wir anschließend in die Reserva de aves um Vögel zu beobachten und in der Laguna de Cano Flamingos die dortigen Flamingos beobachten, doch der Regen macht uns einen Strich durch die Rechnung. Doch ich bin überglücklich und zufrieden. Was für ein tolles Gefühl die blaue Tarantel erlebt zu haben.
Unsere nächste Übernachtung findet im 5 Sterne Hotel Caribe statt. Es liegt an einem der schönsten Strände Paraguanás, Los Taques. Von den Zimmern aus ist das Meer zu sehen und die wunderschöne, im karibischen Still errichtete Poolanlage, lädt mich zu ein paar Runden zum entspannen der Muskeln ein. Zum Abendessen werden wir mit internationalem und kreolischem Essen verwöhnt.
Nationalpark Sierra de San Luis
Am nächsten Morgen geht es weiter in den Nationalpark Sierra de San Luis. Er ist auch bekannt wegen seines Nebelwaldes.
In den folgenden beiden Tagen wollen wir Wanderungen und Trekking Touren im Inneren des Bundeslandes Falcón unternehmen. Für Beatriz, die im 5.ten Monat schwanger ist, ist das aber nichts. Verständlich wie ich meine und so treffen wir uns kurz in Coro mit Dierk, der Beatriz mit sich auf seine Posada Ganja el Ojito in Tocópero (circa 80 km von Coro entfernt) nehmen wird. Es ist eine alte Kokosnuss Plantage, die direkt am Meer liegt. Um Beatriz brauchen wir uns also keine Sorgen zu machen. Sie ist in besten Händen.
Nur noch zu viert fahren wir nun die 1500m hohe Sierra de San Luis hoch. Die ersten gespenstischen Nebelschwaden hängen über uns in den Bergen. Wir steigen aus um den beeindruckenden Ausblick auf die Penisula Paraguaná zu genießen.
Es ist ein deutlicher Temperaturabfall zu bemerken. Auch die Vegetation ist jetzt eine andere. Der Übergang von der xerophile (Trockenheit liebende) Vegetation in die umide (Feuchtigkeit liebende) Vegetation erfolgt graduell. Die Pflanzen besitzen jetzt größere Blätter. Nur noch wenige Meter fehlen uns bis zum Nebelwald.
Camino de los Espanoles
So kommen wir nach kurzer Zeit am Camino de los Espanoles (der Weg der Spanier) an. Er war die meistbenützte Handelstrasse der Spanier und wurde mit dem Blut der schwarzen Sklaven errichtet. Als ich über die kleine noch erhaltene Steinbrücke gehe, kommt mir die Geschichte von José Leonordo Chirinos in den Sinn.
Er war ein Negro Sambo, eine Mischung aus Afrikaner und Jirihara Indianer. Durch seine Bildung (er konnte lesen und schreiben) erfuhr er von der französischen Revolution und organisierte den ersten Sklavenaufstand, der aber niedergeschlagen wurde. Daraufhin wurde er gefangen genommen in Caracas gefoltert und in Teile zerschnitten. Die einzelnen Teile wurden zur Abschreckung an verschiedenen Orten vergraben.
Grausame Zeiten waren das. Ich halte ein bisschen Abstand zu den anderen um diese wunderschöne Natur zu genießen und für ein paar Minuten keine Erklärungen und Worte zu hören. Diese Schönheit in Stille genießen.
Leichter warmer Nieselregen macht sich bemerkbar. Die Affenschreie in der Ferne vermischen sich mit den Donnertönen und umgebenden Vogelgezwitscher. Ich spüre Zufriedenheit, Glück und Ruhe in mir. Möchte stundenlang hier bleiben und die Eindrücke genießen und denke „Danke Venezuela du bist wunderschön!“
Nach dieser kleinen Meditation geht es aber schon wieder weiter. Wir gelangen an die kleine Höhle Cueva de Nacimiento. Und wieder ist Chino nicht müde uns ein Geschichte zu erzählen. „Ein amerikanisches Paar hat eine schreckliche Erfahrung hier machen müssen. Der Mann unternahm einen Tauchgang, denn die Grotte besitzt einen unterirdischen See. Doch das Seil, das ihm den Weg zur Oberfläche zurückweisen sollte, riss und er konnte erst nach fünf Tagen lebend gerettet werden.“
Ich bin froh, dass ich keine Tauchambitionen besitze.
Strapazen für Raucher
Unser nächstes Ziel, die Kalksteinhöhle Cueva de Acarite erreichen wir nach einer kurzen aber teils steilen Wanderung. Über Wurzeln wird geklettert und ich komme ganz schön außer Atem bei dem Rhythmus den Chino hinlegt.
Natürlich will ich nicht als die vollkommen fertige Raucherin oben ankommen. Versuche mein Rossschnauben bestmöglich zu kontrollieren, dabei zu lächeln, immer noch fit zu wirken und fasse zum 1000sten Mal den Entschluss endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Herr je was soll’s, Chino raucht doch auch, also kann es daran wohl nicht liegen.
Wir gehen wieder zurück. Ich seile mich noch mal ab. Wer weiß, wann ich wieder in den Genuss einer solch Zufriedenheit ausstrahlenden Naturaleza (Natur), wie der Venezueler sagt, kommen werde.
Gegen Mittag macht sich der Magen mit leichtem Knurren bemerkbar, aber kein Problem denn auf der Rückfahrt liegt die Finca El Pozón. Hier wird das Magenknurren mit lecker kreolischem Essen aus biologischem Anbau schnell zur Ruhe gebracht.
Biologischer Anbau in Falcon
Wer hätte das gedacht, dass man auch in Venezuela auf biologischen Anbau wert legt. Und es schmeckt wieder einmal hervorragend. Neben uns am Tisch sind die selbst gebrannten Cocuy Schnäpse aufgestellt und in einer der Flaschen befindet sich sogar eine Schlange. Biologisch hin oder her, den Schlagen Schnaps lass ich wohl doch lieber aus.
Nach einer kurzen Besichtigung der nahegelegenen Kaffeeplantage brechen wir wieder auf. Es geht zum Haitón de Guarataro. Was in aller Welt ist ein Haitón? Aber ich habe ja Chino und der wird nicht müde mir auch das zu erklären.
„Es handelt sich um ein 375m tiefes Loch. Ein amerikanisches Forscherteam brauchte fünf Tage um sich abzuseilen. Sie fanden heraus dass der Haitón einen Fluss speist, der in den größten unterirdischen, unzugänglichen See Venezuelas fließt. Außerdem sind sieben kleine Höhlen mit dem Haitón verbunden.“
Wow, ich halte gebührenden Abstand. Möchte nicht dass auch mich irgendein amerikanisches Team bergen muss.
Nach so vielen Eindrücken und den leichten Strapazen übernachten wir im Hotel Turistico Gran Apolo in Curimagua.
Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, denn ich möchte die Morgenstimmung auf meiner Kamera festhalten. Vom Balkon aus sehe ich Chino nur mit einem Handtuch bekleidet zum Frühstücksraum rennen. Hat er etwas schon so riesigen Hunger am Morgen? Seine Haare sind noch klitschnass. Ist da etwa noch etwas Schaum drinnen? Tja, wie ich erfahre ist das Wasser mitten beim Duschen ausgegangen. Dies kann in Venezuela schon öfter mal passieren.
Es mag reich an Flüssen sein und so viel Grün haben, wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen, aber es fehlt halt an der richtigen Wasserversorgung. Aber zum Glück besitzt das Hotel eine eigene Pumpe und so kommen wir doch noch alle in den Genuss ein Duschbad zu nehmen.
Nach dem opulenten Frühstück ist unser Ziel heute der größte unterirdisch zugängliche See in der Höhle la Cueva de la Quebrada del Toro. Diese enthält ein kleines Risiko, wie man erzählt, denn wir befinden uns in der Regenzeit und es kann sein, dass die Strasse vor lauter Matsch nicht passierbar ist.
Typisch Tourist
No risk no fun. Gernot und ich wollen es wagen. Der Weg ist weit und dies ist auch ein Grund warum nur wenige Touristen die Cueva del Toro besuchen. Für uns noch ein Grund mehr es zu wagen. Deshalb haben wir doch Beatriz zurückgelassen, damit wir noch mehr Abenteuer erleben.
Nach ein paar Stunden Fahrt stellen wir allerdings fest, dass die Strasse immer mehr von Schlamm bedeckt ist und nur noch Männer mit hohen und verdreckten Gummistiefeln und Eseln uns entgegen kommen.
Der Jeep fängt nun immer öfter zum Rutschen an. Trotz meines schlechten Spanisch verstehe ich, dass Juan, der Fahrer, besorgt ist. So meint er, dass beim jetzigen Zustand die Strasse nur von zwei Jeeps befahren werden kann.
Was er damit wohl meint? Weiter vorne wird der Weg aber auch schon steiler und auch mir wird jetzt bewusst, dass er keine Kontrolle mehr über den Wagen hat und wir nur noch wild herumrutschen. „Ein zweiter Jeep könnte uns rausziehen, falls wir den Abhang runterrutschen, aber alleine ist es wohl absoluter Leichtsinn noch weiterzufahren ruft er.“ und da er die Verantwortung für uns alle hat will er es nicht riskieren hier stecken zu bleiben.
Am Horizont brauen sich auch schon die ersten Regenwolken zusammen. Noch mehr Wasser würde uns wohl den Rückweg versperren.
Typisch Tourist. „Wenn wir schon einmal hier sind, dann steigen wir wenigsten aus“ sagen wir uns zu. Dumm nur, dass ich meine Trekkingschuhe in Caracas gelassen habe und schon befinde ich mich knöcheltief im Schlamm. Dafür scheint es aber, dass ich jetzt plötzlich größer geworden bin, denn an den Sohlen meiner Turnschuhe befindet sich innerhalb kürzester Zeit bereits Zentimeter dicker Schlamm. Ich bin trotzdem froh.
Für mich ist auch dies hier ein völlig neues Erlebnis. Und wieder sehe und spüre ich die Natur, wie ich sie selten zuvor erlebt habe. Das gehen ist ein bisschen beschwerlich im Morast. Das nächste Mal werde ich es wohl in der Trockenzeit probieren müssen. Aber da überkommt mich auch schon eine, wie ich dachte, super Idee: filme doch einfach die vielen bunten Schmetterlinge. Aber hoffnungslos! Warum können die Schmetterlinge einfach nicht still halten wenn ich die Kamera draufhalte. Ich werde es nicht mehr erfahren.
Posada Granja El Ojito
Es geht weiter und gegen Abend kommen wir in Tocópero in der Posada Granja El Ojito an, wo Beatriz und Dierk schon auf uns warten. Bei der Köchin bestellen wir unser Essen für eine Stunde später, denn es soll ja wieder frisch zubereitet werden.
In der Zwischenzeit checken wir ein und duschen reichlich den Matsch vom Körper. Ich schaue noch kurz zum einsamen, kilometerlangen Strand, in dessen direkter Umgebung eine Kokosplantage liegt. Das nun fertige Essen zerläuft mir im Mund und ich genieße und schweige. Schnell noch die Klimaanlage starten und ab ins Bett. Ah diese Kühle tut gut.
Karibikstrand
Am nächsten Morgen steht auf dem Programm „Karibikstrände und Koralleninseln wie sie im Bilderbuch stehen“.
Unser Ziel heißt dafür Chichiriviche, ein kleines Hafenstädtchen, das am Nationalpark Morrocoy liegt. Auf dem Weg von Tocópero nach Chichiviche erinnert die Landschaft an Zentralafrika, mit seinen weiten Ebenen und sumpfigen Gegenden.
Nach circa drei Stunden Fahrt kommen wir in Chichiriviche an und checken in der Posada Morokkue, die direkt am Meer liegt, ein. Nachts kann man die Meeresbrandung hören. Auch hier sind wir wieder in einem familiären Ambiente gelandet.
Ich fühle mich sofort wohl. Die Klimaanlage hilft da schon auch. Noch schnell eine Dusche nehmen. Ah wie schön. Die Dusche wurde mit den Sandsteinen des Meeres gebaut. Dies unterstreicht die Philosophie einiger Posadas, die in Harmonie mit der Umwelt gebaut werden.
Mit einem Boot brausen wir über das türkisfarbene Meer, vorbei an einem 90 Jahre alten Schmugglerwrack und Mangroven hinein in den Golfete de Cuare und gelangen an die Cueva de los Indios. Etwa 3500 Jahre alte Petroglyphen zeugen von der Vergangenheit der früher hier lebenden Indianer.
Leider meinte irgendein besonders schlauer Mensch, er müsse die alten Heiligtümer mit hässlichen Grafitti beschmieren. Unfassbar, Ignoranz kennt keine Grenzen.
Wir gehen etwas weiter und ich traue meinen Augen nicht. Diesmal allerdings sehr positiv. Hunderte von großen, blauen Krebsen wohnen hier und krabbeln in absoluter Stille hin und her. Die Fußspuren der Krebse hinterlassen bizarre Muster im Sand.
Marienkult in Venezuela
In der Nähe entdecken wir eine Grotte die scheinbar ein Heiligtum für die Einheimischen ist. Auf jedem Felsvorsprung sind kleine und große Madonnen aufgebaut. In Deutschland habe ich mir ähnliches nur mit Gartenzwergen vorstellen können.
Ein bizarrer Anblick bei so vielen Madonnenstatuen. Madonnen findet man zwar in beinahe jedem Venezuelanischen Haushalt und Wagen. Doch was ich hier zu sehen bekomme übersteigt meine bisherige Vorstellungskraft.
Weiter geht es mit dem Jeep und unser nächster Stopp ist der berühmte Cayo Sombrero. Cayo nennt man die kleinen Inseln aus Korallenbänken. Ach ich danke den Göttern. Weiser Strand, türkises, warmes Meer, der Strand überdeckt mit abgestorbenen Korallenstückchen. Ein Einheimischer singt mir ein Ständchen. Was will ich mehr! Und es kommt noch besser.
Mittagessen gibt es diesmal direkt auf dem Boot. Nicht weit von Cayo Pelon (die glatzköpfige Insel wird so genannt, da sich nicht eine Palme sondern nur Strand auf ihr befindet) stehen mitten im brusttiefen Wasser Eis- und Fischverkäufer und preisen ihre Waren an. Ein Traum eines zufriedenen Lebens. Kurz überlege ich ob ich nicht den Job wechseln sollte.
Tauchen, schnorcheln, erholen
Es ist unser letzter Abend hier in Falcón. Sechs Tage sind wie im Flug vergangen. Heute Abend gibt es aber noch einmal Spezialitäten des Landes für unseren Gaumen. So kehren wir im Ort Buena Vista in die 5 Sterne Posada del Sol y la Luna ein.
Von der Terrasse aus hat man einen Traumblick auf das darunter liegende Hafenstädtchen Tucaca. Hier kann man hervorragend gute 5 Sterne Küche genießen. Dies hat natürlich auch seinen Preis und ist sicher nichts für Schnäppchenjäger.
Für Schnäppchenjäger ist schon eher der nächste Vormittag. Mit einem Motorboot, in dem acht Personen Platz haben, lassen wir uns für 25 000 Bolivares (etwa 10 Euro) zum Cayo Peraza bringen.
Auf dieser kleinen Insel genießen wir ein letztes Mal die an den Strand gespülten Korallen, Schnorcheln in dem türkisfarbenen Meer und liegen im Schatten der Palmen. Wem dieser Schatten nicht reicht oder wer zu spät kommt und keinen Schatten einer Palme erwischt, kann sich einen Sonnenschirm mit Stühlen mieten.
Für uns aber heißt es jetzt leider aufzubrechen. Unser Boot ist schon wieder da und bringt uns zurück ans Festland. Mit einem Taxi fahren wir von Morrocoy nach Valencia. Dort steigen wir in einen Bus Ejecutivo von Aero Express ein.
Ejecutivo nennt man die Art von Bussen, deren Sitz nach hinten geklappt werden kann. Hier wird ein Film gezeigt, die Klimaanlage gibt ihr bestes, also gut warm anziehen, und die Sitze sind bequemer als in einem Flugzeug. Sehr empfehlenswert. Das Ganze für nicht einmal 5 Euro. Nach 3 ½ Stunden kommen wir wieder nach Caracas zurück und lassen noch ein par Tage die Seele bei 30 grad baumeln.
Falcon ich komme wieder. Und wann entdecken Sie Falcón?
Videofilm: Dierk Demant über sanften Tourismus im Einklang mit der Natur in Falcón
| Regenzeit, Invierno (Winter) beginnt Mitte Mai bis Ende Oktober. Teilweise über 90% Luftfeuchtigkeit Trockenzeit, Verano (Sommer) November bis Mitte Mai. |
| Adressen und Ansprechpartner: Infos für einen Urlaub in Venezuela erhalten Sie unter Fondo Mixto de Falcón und per Email von der Direktorin Frau Katherine Fergusson des Fondo Mixto fondomixtofalcon@mail.com Für Reisen in Falcón wenden Sie sich bitte an info@granjaelojito.com oder Tel. 0058 0268 7741050 Fax 0058 0268 7741130. Internet : www.granjaelojito.com Dierk Demant beantwortet Ihnen zu Falcon gerne allen Fragen und hilft bei der Buchung persönlich unter granjaelojito@cantv.net . Touristenführer Chino kokyean@voila.fr.com Posada de los pajeros rstiuv@hotmail.com Posada Morokkue info@morokkue.com.ve Posada Ganja el Ojito in Tocópero www.granjaelojito.com Villa Caribe Hotels & Resorts, El Pico, Municipio Los Taques, Peninsula de Paraquana, Edo. Falcon, Venezuela, Tel. + Fax: 0058-0269-2509211 Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela Schillstraße 9 - 10 / Ecke Wichmannstraße, 10785 Berlin, Telefon 030-83 22 40 0, Fax 030-83 22 40 20 Öffnungszeiten Mo. - Fr. 09.00 - 16.00 Uhr www.botschaft-venezuela.de Email: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de |
Generalkonsulat der Bolivarischen Republik Venezuela
Leiter Herr César Osvelio Méndez González, Generalkonsul
Eschersheimer Landstraße 19-21, 60322 Frankfurt am Main, Telefon 069-28 72 84/85, Fax 069-29 23 70,
Öffnungszeiten Mo. - Fr. 09.00-14.00 Uhr
www.consulvenezfrankfurt.de
Generalkonsulat der Bolivarischen Republik Venezuela
Rothenbaumchaussee 30, 20148 Hamburg, Telefon 040-4 10 12 41/71, Fax 040-4 10 81 03
Öffnungszeiten Mo-Fr 09.00-13.00 Uhr
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Venezuela - aktuelle Reisemedizin: Informationen über Malaria, Hepatitis Impfungen und Tropenkrankheiten
Tropeninstitut München
Weitere nützliche Infos sowie aktuelle Hinweise und Sicherheitshinweise gibt das Auswärtige Amt
Wir danken dem Fondo Mixto de Falcón für die freundliche Unterstützung und Bereitstellung von Fotos und Grafiken
Text: Claudia Walther
Fotos: Fondo mixto de Falcón, Claudia Walther
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