„Geopark Ries“
„Europas Riesiger Meteoritenkrater“ – damit wirbt künftig eine Region in Bayerisch-Schwaben, die fünfter Geopark in Deutschland werden möchte.
Das Wortspiel „Riesig“ lag dabei mehr als nahe, heißt der Meteoritenkrater, von dem hier die Rede ist, doch Ries. Derzeit liegen die Bewerbungsunterlagen für den künftigen Geopark bei der Alfred-Wegener-Stiftung und werden von 14 Professoren geprüft.
„Wir warten täglich auf Antwort“, berichtet Heike Burkhardt, die zusammen mit Geschäftsführer Günter Zwerger den „Geopark Ries“ auf den Weg bringt.
Denn dass die Auszeichnung kommt, daran zweifelt eigentlich niemand, schließlich erfüllt das Ries die wichtigsten Voraussetzungen eines Geoparks: die Einmaligkeit der Landschaft, seine wissenschaftliche Erforschung, den Schutz der erdgeschichtlichen Besonderheit und die Erschließung für Einheimische und Touristen.
Vor rund 15 Millionen Jahren suchte eine kosmische Katastrophe den süddeutschen Raum heim. Ein Meteorit schlug einen tiefen Krater in die Alblandschaft, dessen Spuren bis heute zu sehen sind.
Das Ries ist ein fast kreisrunder Kessel von rund 25 Kilometer Durchmesser und markiert die Grenze zwischen der Schwäbischen und der Fränkischen Alb. Das Ries ist Teil des Ferienlandes Donau-Ries und nördliche Grenze der Region Bayerisch-Schwaben. Außerdem verläuft durch den Rieskessel die Romantische Straße, Schloss Wallerstein, Nördlingen und die Harburg sind bekannte und beliebte Touristenziele im Ries.
Nach vielen unterschiedlichen Deutungen über die Entstehung des Rieses ist seit einigen Jahrzehnten wissenschaftlich bewiesen, dass es sich dabei um einen Meteoritenkrater handelt – den größten in Europa und damit eben einmalig. Und weil es im Ries ein Gestein gibt, den Suevit, der so ähnlich auch auf dem Mond vorkommt, trainierten dort in den 60er Jahren in einem Steinbruch sogar NASA-Astronauten für ihre Raumfahrt.
Umfassend erforscht und dokumentiert, kann man alles Wichtige und Interessante über das Ries, seine Entstehung und Erforschung heute im Rieskratermuseum in Nördlingen erfahren – und als Besonderheit gibt es dort sogar eine echte Gesteinsprobe vom Mond zu sehen, eine Leihgabe der NASA.
Doch die Aufgaben eines Geoparks gehen noch weiter. Ziel ist es, die Landschaft und ihre Besonderheiten für das Erleben zu erschließen, einen Geotourismus zu entwickeln, Umweltbildung zu betreiben und eine nachhaltige Regionalentwicklung im Dialog mit der Wirtschaft zu fördern. Diese Aufgaben sind umfangreich und arbeitsintensiv, daher hat man sich im Ries für eine breite Basis entschieden.
Die Gebietskulisse umfasst nicht nur den eigentlichen Rieskessel, sondern auch das gesamte „Vorries“, in dem sich die Auswurfmassen des Meteoriteneinschlages abgelagert haben. Außerdem hat man das Steinheimer Becken dazugenommen, das nachweislich von einem kleineren Zwilling des Rieser Meteoriten erzeugt wurde. Bei der Abgrenzung habe man sich „ausschließlich von geowissenschaftlichen Argumenten“ leiten lassen, betont der Geschäftsführer des künftigen „Geopark Ries“, Günther Zwerger.
Neben der Geschäftsführung und dem Vorsitzendem, dem Donau-Rieser Landrat Stefan Rössle, setzt man außerdem auf eine breite Trägerschaft im Ehrenamt.
Es gibt fünf Expertenteams zu den Themen Geologie, Natur und Landschaft, Kultur, Wirtschaft und Tourismus. Und weil mit der Auszeichnung „Geopark“ auch viele Aufgaben verbunden sind, kann man in Ries mit EU-Fördermitteln rechnen. Rund 100 000 Euro für zwei Jahre seien zugesagt worden, berichtet Zwerger. Außerdem sollen projektbezogen auch die betroffenen Gemeinden finanziell beteiligt werden.
Abgesehen von den sehr umfangreichen Bewerbungsunterlagen hat man bisher schon vielfältige Vorarbeiten geleistet, doch bis es mit der Umweltbildung und dem Geotourismus im „Geopark Ries“ so richtig losgehen kann, wird doch noch einige Zeit vergehen. „Wir wollen mit Qualität auf den Markt gehen“, erklärt Günther Zwerger, „und die braucht eben ihre Zeit“.
So soll 2006 ein erster Geopark-Flyer aufgelegt und mit der Ausbildung von Geopark-Führern begonnen werden. Zudem legt man Wert darauf, dass wissenschaftliche Informationen didaktisch gut aufgemacht sind und die notwendige Infrastruktur aufgebaut wird. Festzustehen scheint jedoch, dass die zentrale Anlaufstelle für den Geopark das Rieskratermuseum in Nördlingen werden wird.
Informationen über das Ries und das Ferienland Donau-Ries sowie die gesamte Region Bayerisch-Schwaben hält der Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Postfach 10 25 29, 86 015 Augsburg, Tel. 08 21/450 401-0, www.bayerisch-schwaben.de für Sie bereit.
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