Für jeden Fußball die richtige Fahne
«Bei mir kriegt jeder `ne Fahne» - Bernd Clasen ist der Herr der Flaggen nicht nur zur Fußball WM 2006
Bernd Clasen produziert die Flaggen aller 32 WM-Teilnehmer. Mit einem Trick versucht er die Lizenzauflagen der FIFA zu umgehen.
Mexiko ist besonders anspruchsvoll: «Durch die Schlange im Emblem ist es eine sehr feine Darstellung, zudem ist die Flagge ein Sechsfarbdruck», sagt Bernd Clasen. Der Unternehmer muss es wissen.
Der 43-Jährige ist Inhaber der Duisburger und Düsseldorfer Fahnenfabriken. Er produziert neben dem üblichen Alltagsgeschäft wie Wimpelketten und Banner für Autohäuser in diesen Tagen vor allem die Fahnen der 32 WM-Teilnehmer.
Bei so einem Event wollen die Fans eben der Welt zeigen, wo sie herkommen. Bei Clasen werden alle bedient. «Bei mir kriegt jeder `ne Fahne», sagt er stolz und verweist auf seine Angebotspalette. 168 Länderflaggen hat er im Computer. Er kann sie binnen weniger Stunden per Siebdruck herstellen. Die meisten hat er auf Lager. «Etwa 50 pro Land, auch von Trinidad & Tobago. Sinkt der Bestand, wird rechtzeitig nachproduziert», sagt Clasen.
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Denn seine Firma, in der bis zu 20 Angestellte an den Druckapparaten und historisch anmutenden Nähmaschinen arbeiten, soll gut vorbereitet in die WM gehen. Vor vier Jahren, bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea wurde er von der Nachfrage geradezu überrannt. «Deutschland kam ja eher überraschend ins Finale. Mit jeder Runde wuchs das Fieber und die Leute rannten mir die Bude ein», erinnert sich Clasen an lange Schlangen in seinem Ladenlokal.
«Es gab etliche Fahnenfabriken, die kurzfristig nicht mehr liefern konnten, wir haben aber die Nächte durchgenäht und alles bewältigt», erzählt der Inhaber, der seine Produkte auch im Internet verkauft. Diese Flexibilität und Vielfalt soll ihm auch diesmal zum Vorteil gereichen. In der weltweiten Branche der Fahnen-Produktion, die am Fließband produziert, bezeichnet sich Clasen als Winzling unter Riesen.
Das Geschäft sei wesentlich härter als vor vier Jahren, aber die nun in Discountern angebotene Billigware gibt es meist nur in zwei Größen. Mit seinen Nähmaschinen kann Clasen jede Größe anfertigen lassen. Persönliche Aufdrucke wie «Wir grüßen Pepe» gibt es obendrein. Rund 10 Euro kostet eine Fahne im Standardformat 0,80 x 1,20 Meter.
Zudem muss er den WM-Ausrichter FIFA austricksen. Als besondere Note wollte er ein WM-Logo auf die Fahnen drucken lassen. «Geht nicht, die FIFA verlangte eine Million Euro Lizenzgebühr, das wollten nicht mal die großen Firmen bezahlen», erzählt Clasen. Mit einigen Kollegen schuf er jetzt eine eigene Kreation und baute einen fliegenden Ball in die starre Deutschland-Fahne ein. «Kann sein, dass mich die FIFA jetzt wegen Verletzung irgendeines Geschmacksschutzes verklagt, aber das Risiko gehe ich ein», sagt er.
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Denn der Lohn kann gewaltig sein. Noch beim Weltjugendtag 2005 fuhren viele Gläubige extra von Köln nach Düsseldorf, um bei ihm auch seltenere Fahnen zu kaufen. «Eine Ägypterin fiel mir um den Hals, weil sie dem Papst somit zeigen konnte, wo sie herstammt», erinnert sich Clasen gerne.
Ihm ist es einerlei, welche Länderfahnen er gerade produziert. Seine Lieblingsflagge ist die des Europarats. «Blau mit gelben Sternchen, ich bin halt kein Nationalist», sagt er in Gedenken an seinen Großvater, der sich 1933 weigerte, Hakenkreuz-Fahnen zu produzieren. Ansonsten habe jede Flagge ihre teils schönen Eigenheiten.
Kontakt: Duisburger Fahnenfabrik, Bernd Clasen, Telefon: +49-(203)-78 95 10, www.fahnen.de
Quelle: dpa / land-der-ideen.de

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