Kurios : Schluß mit lustig : erst schießen dann fragen - Bruno der Bär das erste Opfer bajuwarischer Wirklichkeit
Geschrieben von redaktion am 27.06.2006 21:33 (5188 x gelesen)

Zuerst schießen dann fragen - Bruno der Bär das erste Opfer

Lange hat "Bruno der Bär" auf der deutschen Seite der Alpen, sprich in Bayern, nicht durchgehalten.

Der Bayerischen Staatsregierung und Mitgliedern des bayerischen Landesjagdverbandes sei Dank für Weisheit und Schutz der Bevölkerung. Endlich können Wanderfreunde und Mountainbiker mit und ohne Kind sicher und zuverlässig Hasen und Lämmer in den Weiten Bayerns betrachten und müssen sich nun keine Sorgen mehr über einen "nicht normalen" Bären machen.

Der Bär gehört schließlich in den Naturpark Bayerischer Wald und dieser wird aus Deutschland, Bayern und selbst von der EU mit staatlichen Geldern bezuschusst. Da sind Spielregeln zu beachten und auch ein Bär hat sich daran zu halten. Mag er Bruno, Werner, Edmund oder Ernie heissen.

Normale Bären sind in Bayern willkommen

Denn dieser Bär war lt. Pressekonferenz mit den bayerischen Jägern nicht ganz normal. Normale Bären sind in Bayerns heiler Welt allerdings nach wie vor herzlich willkommen. Wenn die Spielregeln eingehalten werden ist die Bevölkerung Bayerns in der Mehrheit schließlich tierlieb was die Kühe und Schafe auf den Weiden beweisen.

Schade, dass Bruno weder der deutschen Sprache noch der bayerischen Mundart mächtig war und einen Asylantrag noch nicht stellen konnte, oder vielleicht auch nicht stellen wollte. Selber schuld. Warum sollte ein Bär mehr Freiheiten genießen als jeder "normale" Asylant?

Bruno der Bär ein Asylant

Das Spiel kennen ja Asylanten und Interessenten an der bajuwarischen Lebensart bereits. Ohne fälschungssicheren Ausweis geht hier nichts und ohne eine Arbeitsstelle respektive Einkommen geht erst recht nichts. Da können Kirchen und Menschenrechtsgruppen noch so stark sich einsetzen. Recht muss Recht bleiben - und das Recht macht schließlich die Regierung oder die Justiz.

Neu an dieser Lebensart und Anschauung ist, dass der Satz "leben und leben lassen", auf den Bayerns Bevölkerung so stolz ist, nun durch den Spruch "erst schießen dann fragen" ersetzt wurde. Immerhin hat der Bär ein paar Lämmer gerissen, ein paar Honigbienen zertrampelt und die Kosten für Hunde kann ja schließlich nicht jedem Schäfer und Züchter zugemutet werden. Von Schrot und Beruhigungspfeilen ganz zu schweigen.

Wartet nur ihr Bären, Wölfe, Füchse und Krähen. Wer da meint aus dem Trentino einreisen zu können, nur weil die Grenzen innerhalb von Europa aufgehoben sind, der irrt sich gewaltig.

Vorsicht: in Deutschland wird scharf geschossen

Den Umweltschützern sei gesagt, dass beim Bär der Spaß aufhört. Und von der Spaßgesellschaft ist in Deutschland schon lange nicht mehr die Rede. Mittlerweile wird in Deutschland scharf geschossen: Wild Wild West - Wildwestromantik ist halt doch schöner als weichgespülter Patriotismus. Innenminister W. Schäuble ist ein gutes Beispiel was in den Köpfen der deutschen Politiker sich so abspielt: Flugzeuge mit scheinbar erkennbaren Terroristen abschießen, auch wenn das Bundesverfassungsgericht dies für nicht zulässig geiselt. Warum nicht? Wer damit nicht klar kommt, kann sich ja noch später beschweren. Der Fall Masri und "Bruno der Bär" waren doch nur die Auftaktveranstaltung. Für Bruno ist das allerdings nicht mehr möglich. Kein Ombudsmann kann ihm bei einer Beschwerde noch helfen.

Ja wo kämen wir denn auch hin, heisst es aus gut unterrichteten Kreisen, wenn in Deutschland und im speziellen in Bayern ein Jeder tun und lassen könnte was er will. Der Verdacht auf Gefahr reicht doch aus. Die Bevölkerung und anderes Getier hat ja, wie an so manchem Bierstammtisch zu hören war, auch nichts zu befürchten. Wer unter Verdacht gerät hat wahrscheinlich auch etwas auf dem Kerbholz.

Der Film "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" kann ja nicht über alle Jahre dafür herhalten, um aufzuzeigen was passiert, wenn eine Person unter Verdacht steht. Die Regierung Bush parliert mit dem Verdachtsmoment mittlerweile exzellent und hat positive Ergebnisse damit erzielt. Als Beispiel sei dafür nur das amerikanische Lager in Guantánamo "Camp X-Ray" genannt.

Die Zeit heiligt die Mittel: So ist es nur natürlich, dass die Gesetzeslage es zulässt, dass bereits der Verdacht -auif was auch immer- zu einer Verhaftung ausreicht. Gut so. Die Abhöraktionen des BND im Inneren der Republik setzen ja auch nur das um, was aus politischen Kreisen erwartet wird.

Wehret den Anfängen - Der Bär ein Terrorist?

Ja Sie lesen richtig. Wurden nicht Lammzüchter und Imker von Bär Bruno terrorisiert? Gab es ein Entkommen für die armen Tiere?. Ein Feinschmecker der statt des Lammbraten nur die schönsten Stücke verspeist ist schon ein richtig mieser Kerl und soll sich jetzt und für die Zukunft warm anziehen.

Von wegen "was auf den Tisch kommt wird auch gegessen". Dieser Bär hat einfach übertrieben. Welch schaurige Bilder waren im Fernsehen zu sehen. Hinkende und zerfetzte Lämmer. Das will in Zukunft Niemand sehen.

Deutschland sollte das System der USA allerdings nicht nur einfach übernehmen sondern jetzt nach dem Sündenfall gleich richtig für alle Fälle ausbauen. Die Todesstrafe wurde ja jetzt erstmalig an einem Braunbären ausprobiert und hat funktioniert. Denn die Kosten für Bärenhunde und Mitarbeiter der Polizei und des Jagdverbandes sollten der bayerischen Staatskasse, also dem Steuerzahler nicht wieder zugemutet werden. Die Rechnung ist an den Ursprungsabsender, nämlich nach Italien zu senden. Kam der Bär doch aus dem Trentino. Und schließlich haben über 50% der abgegeben Wählerstimmen in Bayern ihr Einverständnis bekundet, dass derartige Schritte von der Bayerischen Landesregierung durchgeführt werden sollen.

Anders ist es auch nicht zu erklären, dass Dr. Werner Schnappauf (Bayerischer Staatsminister und CSU-Bezirksvorsitzender) den Befehl zum finalen Fangschuß im Schießbefehl für den Bär Bruno erteilte. Das Recht war auf seiner Seite.

Auf der Internetseite des Ministers ist zu entnehmen: "Position beziehen und Positionen vertreten - mit Leidenschaft setze ich mich für meine Überzeugungen ein. Damit die Richtung stimmt, gilt es diese mit Nachdruck zu vertreten." Bär Bruno weiss jetzt was es heisst, von einer Idee überzeugt zu sein. Diskussion beendet.

Schützen und Gestalten

Weiter heisst es auf der Internetseite unter dem Titel „Schützen und Gestalten“

"Wir sind überzeugt von der neuen Chance, nachdem Mauer und Eiserner Vorhang gefallen sind. Wir sind willens und trauen uns zu, unsere Kraftreserven und unser Know-how auszuschöpfen. Zum Nutzen für unsere und nachkommende Generationen.

Dummer "Bruno", nachkommende Generationen wirst Du nicht mehr zeugen können. Im Gegensatz zum Mittelalter heisst es jetzt aber nicht "hängt ihn - hängt ihn höher" (Barbaren sind die bayerischen Jäger nun weiss Gott nicht) sondern "Bär Bruno" soll als Geldeinnahmequelle in einem Museum ausgestopft und ausgestellt werden. Wer den Zuschlag dafür erhält ist allerdings derzeit noch unklar.

Geldeinnahme mit Bruno dem Bär

Väter und Mütter werden also zukünftig mit ihren Kindern in's Museum eilen und die gefährliche Bestie bestaunen können. Wie der "Böse Wolf" wird jetzt der "Böse Bär" in den Erzählungen womöglich auftauchen. Mögen Tierforscher und Zoos noch so vehement gegen das schlechte Image ankämpfen.

Die Gästezahlen in Bayern sollen steigen, Firmen wie die deutsche Firma Steiff, bekannt für edle Spielzeugtiere, erzielen Einnahmen aus dem Verkauf einer Sonderedition "Bär Bruno" und Film, Funk, Printmedien können die Bärenjagd für heisse Tage immer wieder hervorkramen. Der nächste Bär ist sicher schon unterwegs.

Früher war es der Bär Balu mit dem weltbekannten Song: "Probier’s mal mit Gemütlichkeit" aus dem Disneyfilm "Das Dschungelbuch". Heute ist es der "Bär Bruno" - was willst Du mehr? Die nächsten Todeskandidaten werden es nie wieder zu dieser Berühmheit bringen.

Das PC Spiel "Moorhuhn" hat ausgedient. In Kürze wird es sicher das Brunoschießspiel geben. Geld regiert eben die Welt.

Verdacht auf Gefährlichkeit reicht aus

Schließlich könnte ja jeder Bär oder Bewohner Bayerns unter Verdacht stehen und da sollte dann doch so richtig und von vornherein (ein Verdacht reicht völlig aus) durchgegriffen werden.

Auf der Homepage von Dr. Werner Schnappauf heisst es ja auch völlig unbedenklich: "Was das Leben in Bayern so lebenswert macht für uns, die wir in Bayern leben, und so erstrebenswert für jene, die gerne in Bayern leben würden, ist auch und besonders seine landschaftliche Schönheit und sein natürlicher Reichtum.

Diese bayerische Heimat, von vielen Menschen in unserem Land als Gottesgeschenk empfunden, wollen wir uns, unseren Kindern und Enkeln erhalten. Schutz der Umwelt heißt für uns deshalb auch Schutz der Heimat. Folgerichtig ist der Freistaat Bayern Pionierland des Umweltschutzes geworden, ist es heute und wird es auch in Zukunft sein."


Was Edmund Stoiber mit seiner Transrapidrede nicht schaffte - Dr. Schnappauf hat es geschafft und darauf kann Bayerns Bevölkerung mächtig stolz sein.

In memoriam: Gott hab' ihn selig den Bären. Nix für ungut Bruno

Kontakte zum Thema "Bär Bruno"

Landesjagdverband Bayern
www.werner-schnappauf.de
Email der CSU-Bezirksgeschäftsstelle oberfranken@csu-bayern.de
Email Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: ministerbuero@stmlu.bayern.de
Email der CSU Landtagsfraktion: csu@csu-landtag.de
www.bund-naturschutz.de

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Leser
Geschrieben am: 14.09.2006 19:40  Aktualisiert: 18.09.2006 12:33
 Re: Schluß mit lustig : erst schießen dann fragen - Bruno de
Ich kann deine Denkweise in keinster Weise nachvollziehen.
In vielen anderen Ländern (Russland, Balkanländer, Kanada, USA...) leben Menschen und Bären zusammen und die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden oder im Lotto einige Millionen Euro zu gewinnen ist ungleich größer als die Wahrscheinlichkeit von einem Bären verletzt zu werden.
Aber deine Doppelmoral ist typisch Deutschland, von anderen Ländern verlangen, dass sie zum Beispiel ihre Tiger erhalten, aber selbst nicht bereit sein zu ähnlichem...
Antwort
Leser
Geschrieben am: 02.08.2006 12:54  Aktualisiert: 04.08.2006 18:47
 Re: Schluß mit lustig : erst schießen dann fragen - Bruno de
Es gibt mittlerweile auch ein schönes und unterhaltsames, besinnliches Buch zu Bruno dem Bären, nämlich sein Reisetagebuch.“Bruno alias JJ1, Reisetagebuch eines Bären”.
Ich fand es unterhaltsam und auch zum Nachdenken. Das Buch erzählt immer auf einer Seite was an dem jeweiligen Tag unternommen wurde um Bruno zu finden bzw. was er wieder angestellt hat und auf der anderen schreibt Bruno aus seiner Sicht wie er die Dinge erlebt hat. Ich kann’s nur empfehlen. Auch für Kids.
Antwort
Leser
Geschrieben am: 02.07.2006 10:34  Aktualisiert: 10.07.2006 20:01
 Re: Schluß mit lustig : erst schießen dann fragen - Bruno de
Klasse Buchtipp zum komplizierten Umgang zwischen Mensch und Bär:
Brunner, Bernd: "Eine kurze Geschichte der Bären" (Claassen 2005)
Antwort
Leser
Geschrieben am: 01.07.2006 20:23  Aktualisiert: 10.07.2006 20:01
 Re: Schluß mit lustig : erst schießen dann fragen - Bruno de
Hallo,
also ich habe zwei Kinder und würde nicht wohnen/wandern wollen, wo Bären frei rumlaufen. Sie sind nicht ungefährlich. Auch nicht die "normalen" Bären. Wird er aus Versehen (z. B. durch spielende Kinder) beim Abnagen eines Kadavers gestört bzw. fühlt sich oder seine Beute bedroht, greift er an. Bärebmamas mit - kindern töten alles - auch ein Bärenmännchen - was ihnen zu nahe vorkommt. Immer noch sterben Menschen durch Bären. Hunde werden von Bären gehasst. Von daher sind auch HuntehalterInnen, die einem Bären begegnen, in Gefahr. Das sind alles Dinge, die man bedenken muss.

Dennoch hätte man bei Bruno mehr tun müssen. Der Bär konnte ja nix dafür, daß er da war. Alle EU-Länder hätten intensiv helfen müssen, und zwar schnell! Mit sehr vielen Helfern, Narkotika und Fallen und Ködern. Man hat nicht mal Lockstoffe von Weibchen versucht anzuwenden. Das hätte trotz noch nicht eingetretener Sexualreife von Bruno vielleicht dennoch angelockt, da es ihm vertraut war. Wahrscheinlich hätte man das Tier lebend fangen können. Besonders am letzten Tag, als er auf der Rotwand unterwegs war.
Oder ihn verletzten, dann betäuben und operieren.

Grundsätzlich müssen aber die Menschen, die in Regionen mit Bären zusammen leben wollen, VORHER gefragt werden, ob sie bereit sind, ein gewisses nicht geringes Risiko zu tragen (v. a. wegen der Kinder und ihrer Tiere).
Jedem Bären wünsche ich sein eigenes Reich und Weite, nicht ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland. Da kann man einfach nicht bärig gut leben. Und viele Menschen hätten Angst.
Antwort


   

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