Rückblick auf das Sambafestival 2006
Das sonst so beschauliche oberfränkische Städtchen Coburg verwandelt sich alljährlich am zweiten Juliwochenende in ein zweites Rio. Wie das geht? Man lade mehr als 80 Sambagruppen mit über 2.200 Mitgliedern zum größten europäischen Sambafestival ein, welche drei Tage in der gesamten Stadt fast rund um die Uhr auf neun verschieden Bühnen sowie auf der Straße trommeln, tanzen und feiern. Heraus kommt ein Fest der Lebensfreude, zu dem selbst der ehemalige brasilanische Fußballweltmeister Altair Coburg gratuliert.
Ein Weltrekord für Coburg
Das diesjährige Sambafest stand – wie könnte es anders sein – ganz im Zeichen der Weltmeisterschaft. Aber nicht nur die Fußballfans kamen beim public viewing in der randvollen Angerturnhalle auf ihre Kosten; in Coburg konnte diese Jahr jeder Besucher des Sambafests Weltmeister werden. Die Veranstalter des Sambafestes riefen am Samstag auf zum Weltrekordversuch „größte Sambabateria der Welt“. Zu dem extra für diesen Zweck von Gilson de Assis komponierten Reggae trommelten und shakten insgesamt notariell beglaubigte 2.858 Sambistas. Damit war Coburg Weltmeister und die Stimmung noch ausgelassener.
Unter den rund 180.000 Besuchern, die sich trotz des anfänglich schlechten Wetters in bester Feierlaune zeigten, fanden sich zahlreiche internationale Besucher.
Die „Los Legendarios do Brasil“ beispielsweise, eine Combo altgedienter brasilanischer Fußball-Weltmeister. Jairzinho, Brito, Altair, Jair Marinho, Roberto Miranda und Marco Antonio, die sich allesamt zwischen 1962 und 1970 den höchsten Fußballtitel erkämpft hatten, traten in Coburg auf. Sie gaben in äußerst mitreißender Weise Klassiker und neue Kompositionen bei zwei Konzerten zum Besten.
Befragt, ob das Coburger Sambafest denn auch die brasilanische Stimmung verbreite, die die Herren aus ihrer Heimat gewohnt sind, antwortete Jairzinho:“Es ist in der Tat sehr ähnlich. Die Sonne scheint, in jeder Ecke der Stadt findet Musik statt und alle tanzen. Es gefällt mir außerordentlich gut!“ Natürlich amüsierte es Marco Antonio, dass ausgerechnet in Deutschland der Weltrekord „größte Sambabateria der Welt“ aufgestellt wurde, aber er versicherte Coburg, dass Brasilien diesen Rekord mit Sicherheit einstellen werde.
Die Quastenflosser: Kirchenkonzert einmal ganz anders!
Weltmeister der Herzen und somit Publikumsliebling sind und bleiben die bereits zum neunten mal angereisten schweizer „Quastenflosser“. Die Guggemusig Kapelle spielte auch dieses Jahr wieder ein unglaubliches Konzert – in der Moritzkirche! Ein mit weit über 1.000 Besuchern gefülltes Gotteshaus, in dem schon Martin Luther predigte, wünscht sich sicherlich mancher Pfarrer zu normalen Gottesdienstzeiten. Am Samba-Samstag ist dieser Andrang allerdings nicht ungewöhnlich. Wenn alljährlich die „Quastenflosser“, eigentlich eine Karnevalstruppe, mit Ihren Bläsern und Trommlern spielend durch die ehrwürdige Moritzkirche ziehen, bleibt kein Fuß mehr still.
Die Begeisterung und Lebensfreude stand ausnahmslos jedem Besucher ins Gesicht geschrieben. Martin, Mitglied der Quastenflosser, meint, dass das Coburger Sambafestival deswegen so unvergleichlich sei, weil sich auf den Straßen immer wieder internationale Sambagruppen treffen, um gemeinsam zu improvisieren. „Und diese Stimmung ist einfach genial.“ Recht hat er!
Der weitest angereiste Gast kam aus Australien
Um zum Sambafestival zu kommen kann eigentlich kein Weg zu weit sein. Das beweisen Sambagruppen, die aus Brasilien, Schweden, Frankreich, England, Schottland, der Schweiz, und den Niederlanden anreisten. Den mit Sicherheit weitesten Weg legte Scott Chammings zurück. Der früher in Coburg wohnende Australier flog zum Sambafest um den halben Globus.
Der nächste Termin steht schon fest
Für alle, die beim nächsten Mal dabei sein wollen, wenn wieder aus einem fränkisches Kleinstadtidyll die heimliche Hauptstadt des Sambas wird, hier der Termine für das nächste Sambafestival: 13. - 15. Juli 2007.
Weitere Infos unter: www.legendariosdobrasil.de www.quastenflosser.ch www.samba-festival.de
Autor & Fotos: Kirsten Dekorsy
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