Bayerische Landesausstellung in Zwiesel: 1500 Jahre Nachbarschaft Bayern – Böhmen
Geschichte ist wirklich spannend. Auf einer Zeitreise durch längst vergangene Jahrhunderte können Sie im Rahmen der Landesausstellung "1500 Jahre Nachbarschaft Bayern – Böhmen" bis 14. Oktober 2007 in die Geschichte der Nachbarländer Bayern und Böhmen im Herzen Europas eintauchen.
Auch wenn die Nachbarschaft zwischen Bayern und Böhmen in ihrer Geschichte nicht immer einfach war und das 20. Jahrhundert durch Krieg und Vertreibung gekennzeichnet war. In kulturellen Dingen verbindet Bayern und Böhmen sehr viel mehr als der Betrachter es im geschichtlichen Zeitfenster für möglich hält.
Bayerisch-Böhmische Geschichte
Warum lebten einstmals so viele Deutsche im heutigen Tschechien? Wo wurden die Reichskrone und andere Reichsinsignien vor über 650 Jahren aufbewahrt und wie kam es dazu, dass sie von dort in einer „Nacht- und Nebelaktion“ unter einer Ladung Fischen versteckt und fortgeschafft werden mussten? Wieso konnte Salzhandel so lukrativ sein und warum wurden die Schmuggler „Schwirzer“ genannt und was passierte mit dem Priester Johannes, der das Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgeben wollte?
Viele Fragen, die beim Besuch der Landesausstellung „Bayern – Böhmen: 1500 Jahre Nachbarschaft“ jetzt umfassend geklärt werden.
Das internationale Ausstellungsereignis in 2007
Auf drei Ebenen mit ca. 1.500 Quadratmetern haben international renommierte Historiker und Fachleute aus Bayern und Tschechien mehr als 400 wertvolle Exponate aus zahlreichen europäischen Museen zusammengetragen und so den neu eingerichteten Museumsbau der Glasstadt Zwiesel zum neuen Mekka für Interessierte an gemeinsamer Kunst, Kultur und Geschichte aus Bayern und Böhmen erhoben.
Bayern – Böhmen: Eine gemeinsame Geschichte vom Christentum über Kaiser Karl IV. bis in die Gegenwart
So zeigt die Ausstellung archäologische Funde früher gemeinsamer Siedlungs- und Kulturräume diesseits und jenseits der heutigen Grenze ebenso wie glanzvolle Exponate aus dem frühen Christentum, von den Heiligen "Wenzel" und "Wolfgang" sowie von „Neuböhmen“ in der Oberpfalz zu Zeiten Kaiser Karls IV. in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und Waffen und Hinterlassenschaften aus den Hussitenkriegen im frühen 15. Jahrhundert und aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Die „Schatzkammer Mitteleuropas“ wird Sie begeistern
Goldschmiedearbeiten aus Nürnberg, Augsburg und München, barocken Glasschliff aus böhmischen Hütten oder Egerer Intarsienarbeiten sind nun gleichfalls vereint und zeugen von der engen Verbundenheit bedeutender Künstler am Prager Hof Kaiser Rudolfs II., dessen Wunderkammer weltberühmt war.
Für die besonders enge Verbindung aus dem böhmisch-altbayerisch-fränkischen Kulturraum der Barockzeit stehen die Namen der Architekten Dientzenhofer und Balthasar Neumann, des Malers Asam und des Bildhauers Ferdinand Tietz, die in der Ausstellung gebührend gewürdigt werden.
Bayern und Böhmen: Musik verbindet
Wussten Sie, dass viele aus Böhmen stammende Komponisten und Instrumentalisten das Musikleben in den großen und kleinen Residenzen auf dem Gebiet des heutigen Bayern, so etwa den Hof der Fürsten von Oettingen-Wallerstein oder den Hof der Fürsten von Thurn- und Taxis prägten?
Die enge Verbindung zeigt sich noch heute in gemeinsamen Wallfahrten und Heiligen, allen voran dem Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, der Alltag und Festtag noch heute in beiden Ländern zeitgleich berührt.
Glasmacherkunst in Vollendung: die "gläserne Kapelle"
In einer „gläsernen Kapelle“ können Sie in die fantastische Welt der böhmisch-bayerischen Glasmacherkunst eintauchen. Und wer weiß schon, dass viele berühmte tschechische Maler des 19. Jahrhunderts in München ausgebildet wurden? Sie malten oberbayerische Idyllen, während bayerische Maler das „Goldene Prag“ abbildeten.
Vom "Münchner Abkommen" bis zum "Eisernen Vorhang"
Originale Dokumente wie das Münchner Abkommen, Inszenierungen zum Eisernen Vorhang, Zeitzeugenaufnahmen und Fotografien wecken das Verständnis für die Schicksale der Menschen auf beiden Seiten der Grenze und liefern so Einsichten in eine Zeit, die noch heute teilweise in das alltägliche Leben hineinspielen.
Rahmenprogramm für Jung und Alt
Rund um die Landesausstellung rankt sich ein buntes Rahmenprogramm, das für jeden Geschmack und jede Altersschicht etwas zu bieten hat.
So wurde ein besonderes Augenmerk auf attraktive Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Familien gelegt. Die beiden Löwen-Maskottchen Václav und Leopold begleiten durch aufregende Abenteuer, spannende Unterhaltung und pädagogische Angebote, so dass hier Geschichte zu einem echten Erlebnis für Jung und Alt wird.
Neben fulminanten Orchesterkonzerten gibt es beispielsweise eine Rocknacht, neben einem Bayerisch-Böhmischen Begegnungsfest gibt es poetische Lesungen, neben einem Kinder-Film-Fest gibt es ein Freilichttheater und eine Glasnacht, Marionettentheater, Kunstausstellungen und viele, viele weitere Aktionen.
„Bayern-Böhmen“: Treffpunkte und Gemeinsamkeiten
Ergänzend zur Landesausstellung verbindet ein breit gefächertes Begleitprogramm die grenznahen Regionen in Niederbayern, der Oberpfalz, in Oberfranken und in Westböhmen.
Das Programm „Treffpunkte/Setkáni“ benennt Kulturdenkmäler, Museen, Festspiele, Sonderausstellungen an etwa 50 Orten in dieser Region, die an bayerisch-böhmische Gemeinsamkeiten erinnern.
Die vom Haus der Bayerischen Geschichte und vom Tourismusverband Ostbayern ausgewählten Treffpunkte sollen damit, über die Landesausstellung hinaus, Interesse an der bayerisch-böhmischen Nachbarschaftsgeschichte wecken und die Besucher zu Abstechern in die vorgestellten Orte ermuntern.
Eine Übersicht zu den Veranstaltungen finden Sie im "Haus der bayerischen Geschichte und dem Centrum Bavaria Bohemia
Fazit: Wer mehr über die abwechslungsreiche Geschichte Bayern-Böhmen erfahren möchte muss in diesem Jahr auf jeden Fall die Glasstadt Zwiesel besuchen. Es lohnt sich.
Anreise zur Landesausstellung in Zwiesel
mit dem Auto:
- Über Nürnberg: A3 Regensburg, bis Autobahnkreuz Deggendorf, über Rusel nach Regen, B11 nach Zwiesel
- Über München: A92 über Landshut, Deggendorf, Rusel, B11 nach Zwiesel.
mit der Bahn:
Mit ICE, IC/EC bestehen aus allen Richtungen meist stündlich oder alle zwei Stunden komfortable Reisemöglichkeiten nach Nürnberg/Regensburg/Plattling. Von dort verkehrt stündlich die Waldbahn nach Zwiesel.
Daten und Fakten zur Landesausstellung „Bayern – Böhmen
Ausstellungszeitraum: 25.5.2007 bis 14.10.2007 (täglich von 9.30 - 17.30 Uhr)
Ort:Kirchplatz 3, 94227 Zwiesel
Eintrittspreise & Führungen:
Erwachsene: 6,00 EUR pro Person
Ermäßigt: 4,00 EUR pro Person
Familienkarte: 14,00 EUR
Schüler im Klassenverband, Kinder- und Jugendgruppen: 1,50 EUR pro Person
Kinder bis 6 Jahre frei
Führungen für angemeldete Gruppen:
Führungen für Gruppen ab 16 Personen inkl: 2,50 EUR pro Person (zzgl. Eintritt)
Führungen für Gruppen bis 15 Personen inkl: 40,00 EUR pauschal (zzgl. Eintritt)
Ausführliche Informationen rund um die Landesausstellung sowie Ausflugstipps und individuelle Programmvorschläge erhalten Sie vom Touristischen Service Center des Landkreises Regen. Dort werden auch verschiedene Publikationen bereit gehalten, die sowohl über das Rahmenprogramm, als auch über sonstige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung im Umfeld der Landesausstellung detaillierte Informationen geben.
Telefonische Erreichbarkeit: Montag – Freitag von 8.00 Uhr – 20.00 Uhr Samstag und Sonntag von 9.00 Uhr – 20.00 Uhr
Information und Anmeldung: Touristisches Service Center, Amtsgerichtstr. 6 - 8, D-94209 Regen, Tel.: 09921-9605– 100, Fax: 09921-96 05 – 101. info@tsc-bayerischer-wald.de www.landesausstellung-bayern-boehmen.de oder www.zwiesel-tourismus.de
Fotos: Bayerischen Landesausstellung „Bayern-Böhmen: 1500 Jahre Nachbarschaft“ und Haus der bayerischen Geschichte
Autor: Gerd Bruckner

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