Medienszene : Web 2.0 - Journalismus im Wandel - Umfrageergebnis liegt vor
Geschrieben von redaktion am 12.07.2007 15:58 (1964 x gelesen)

Google & Co machen Verlagen das Leben schwer: das Ergebnis der Studie "2.0 und dann? - Journalismus im Wandel"

Angst und Zuversicht bei Journalisten und Medienmachern. Unter dem Titel "Google & Co machen Verlagen das Leben schwer" veröffentlichte news aktuell nun das Ergebnis aus einer Umfrage bei 1.195 Journalisten.

59 Prozent aller Teilnehmer waren aus dem Printbereich, 19 Prozent bei einem Onlinemedium tätig. 21 Prozent arbeiten für Hörfunk, Fernsehen oder sonstige Medien. Zwei Drittel der Teilnehmer waren männlich. Das Alter der Befragten lag zu mehr als zwei Dritteln zwischen 30 und 50 Jahren.

Journalisten glauben, so das Ergebnis, dass der Einfluss der Verlage auf die Medienbranche schrumpft. Ein knappes Drittel bescheinigt Blogs und Podcasts bereits eine hohe journalistische Relevanz. Das ergab die Studie "2.0 und dann?" .

Die Mehrheit der deutschen Journalisten glaubt, dass der Einfluss der Verlage auf die Medienbranche abnehmen wird (36 Prozent). Immerhin sieben Prozent attestieren sogar, dass die Verlage gegenüber Google & Co "keine Chance" haben werden. Für die digitale Zukunft seien die deutschen Verlage insgesamt nur mäßig gerüstet. Das sagte mehr als die Hälfte der Befragten. Kein besonders überraschendes Ergebnis. Die Verlage konzentrieren sich weiter auf lokale Märkte, doch diese Märkte schrumpfen ob der Globalisierung. So versuchen große Verlagshäuser bei den Printmedien Zusammenschlüsse mit fremdsprachigen Verlagshäusern um ein größeres Publikum zu erreichen. Doch international und schnell erreichbar ist nun einmal nur der Leser im World Wide Web.

Mögen die Verbreitungsanalysen auch noch so viele Zahlen hergeben. Fakt ist und bleibt, dass viele Verlagskunden, respektive die Werbekunden, mittlerweile international tätig sind und der Exportweltmeister Deutschland bzw. seine Unternehmer sich immer mehr auf Auslandsmärkte konzentrieren. Um diese aufzurollen ist Internetwerbung und Online-Berichterstattung unerlässlich und durch die technischen Möglichkeiten ist es mittlerweile sehr viel einfacher geworden.

Abrufzahlen zu Artikeln und Anzeigen sind im Internet mittlerweile transparent geworden. Gängige Untersuchungen (IVW, AWA u.a.) im Printbereich können derzeit nicht mithalten. Bisher werden lediglich die Verkaufs- bzw. Verbreitungszahlen und die Affinität zu Produktgruppen erhoben. Welche Seite oder welcher Artikel/Anzeige wie oft gelesen wurde bleibt dabei unberücksichtigt.

Um bei den Redaktionen mit neuen Aktivitäten und Produkten durchzudringen ist allerdings festzustellen, dass der direkte Kontakt durch anonyme Emails abgelöst wurde. Aus dem Wust an Meldungen noch das Interessante herauszufiltern wird mittlerweile zur Qual der Journalisten.

Ebenso kritisch ist anzumerken, dass Redaktionen Online-Meldungen mittlerweile wegen zeitnahem Veröffentlichungsdruck nur noch selten nachrecherieren können und deshalb in Google oft die gleiche Meldung mehrmals erscheint. Deshalb die Konfrontation mit Blogs, denn Blogs sind meistens speziell auf ein Thema ausgerichtet. Zeitungen arbeiten mit dem Überraschungsmoment, nach dem Motto: "was gibt es denn so und was ist passiert". Im Internet hingegen suchen die Leser gezielt und setzen dafür die Suchmaschinen ein.

Google und Co sind allerdings nur so lange echte Konkurrenz, wie Artikel von Google als Suchergebnis übernommen werden dürfen. Würden alle Verlage eine konzertierte Aktion starten, was höchst unwahrscheinlich ist, dann hätte Google nur noch rudimentären Informationsgehalt und Aktualitätsbezug.

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Erstaunlich positiv beurteilten Journalisten das Phänomen des so genannten Bürgerjournalismus. Für mehr als 40 Prozent der Befragten ist er eine Bereicherung des Journalismus. Lediglich 15 Prozent halten das Engagement der Hobby-Schreiber für eine Gefahr. Die Zukunft der gedruckten Tageszeitung sehen Journalisten zuversichtlich. In zehn Jahren werde die Zeitung noch immer überwiegend auf Papier produziert werden, glaubt fast die Hälfte.

Die Berechtigung des gedruckten Wortes bleibt schon deshalb bestehen, da ein Laptop auf dem Klo noch nicht als Leselektüre seinen Einzug gefunden hat. Dass die Tageszeitung für Journalisten eine sehr wichtige Informationsquelle ist sagen 81 Prozent. Der Grund dafür ist auch ganz einfach: Glaubwürdigkeit.

Nachdem Web 2.0 als Modethema die Medienbranche dominiert hat, ist, so das Ergebnis, mittlerweile Realismus im Umgang mit diesem Thema eingekehrt. Für die meisten befragten Redakteure ist Web 2.0 deshalb heute auch nicht mehr und nicht weniger als die logische Weiterentwicklung des Internets. So spricht nur noch ein Prozent von einer digitalen "Revolution".

In den Redaktionen herrscht, so das Ergebnis, allerdings Unsicherheit, was die neuen Phänomene für den eigenen Arbeitsplatz bedeuten. Zwar sagte fast ein Drittel der befragten Medienmacher, dass Web 2.0-Angebote eine hohe (25 Prozent) oder sogar sehr hohe (fünf Prozent) Relevanz für die journalistische Arbeit habe, aber weniger als fünf Prozent der Befragten nutzen Blogs häufig als Quelle oder zur Themenfindung.

Am meisten kritisierten die befragten Journalisten an Blogs die "mangelnde Glaubwürdigkeit" (27 Prozent) und die "fehlenden journalistischen Standards" (26 Prozent). Besonders geschätzt werden allerdings die "Vielfalt der Meinungen" (27 Prozent) und die Unterstützung der Blogs bei der "Ideenfindung" (18 Prozent). Wichtigstes Kriterium für die Glaubwürdigkeit eines Blogs ist der Autor. Das sagte gut ein Drittel der Befragten. Immerhin mehr als jeder zehnte Journalist führt heute ein eigenes Blog oder kommentiert in anderen Blogs.

Die Onlinebefragung fand im Mai 2007 statt. Das komplette Ergebnis steht unter www.newsaktuell.de/studie abrufbereit zur Verfügung.

Quelle: news aktuell
Autor Gerd Bruckner



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