Gesundheit + Medizin : Wechseljahre und hormonelle Umstellung - was kann Frau/Mann tun?
Geschrieben von redaktion am 06.11.2007 10:00 (4150 x gelesen)

„Die Frauen haben es ja von Zeit zu Zeit auch nicht leicht ...“

... „Wir Männer aber müssen uns rasieren.“ So brachte der Schriftsteller und Spötter Kurt Tucholsky den gemeinen „kleinen Unterschied“ auf den Punkt. In gewisser Weise ließe sich dieser ironisch-selbstkritische Kommentar aus Männermund auch auf die Phase der hormonellen Umstellung anwenden.

Denn Emanzipation hin, Golden Girls her: Selbst die modernste, dynamischste und fitteste Best-Agerin kommt unweigerlich ins Klimakterium – und leidet oft ebenso heftig darunter wie einst die Großmama.

Auch heute noch empfindet fast die Hälfte der Betroffenen die Wechseljahre als qualvollen Einschnitt. Der Körper reagiert mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und unruhigem Schlaf. Tagsüber fühlt man sich wie gerädert, ganz zu schweigen von Stimmungsschwankungen und -tiefs oder sogar Depressionen.

Hormongaben können hier Abhilfe schaffen, doch schrecken viele Betroffene aus Angst vor Nebenwirkungen davor zurück. Wohl zu Unrecht, denn auf diesem Gebiet hat sich einiges verändert: Im Vergleich zu früher gängigen Behandlungen setzt die moderne Hormonersatztherapie auf natürliches Östrogen und beim Gestagen auf natürliches Progesteron.

Dazu Privatdozent Dr. med. Alexander Römmler vom Hormonzentrum München bei einer großen Experten-Telefonaktion: „Wenn der Körper zu wenig Hormone produziert, ist es sinnvoll, ihm diese zuzuführen. Wichtig ist dabei aber, dass der Körper natürliche Hormone erhält. Ein frühzeitiger Beginn der Therapie hilft, Beschwerden effektiv zu lindern oder ganz zu vermeiden.“

Abhängig vom verordneten Hormon muss dabei entschieden werden, ob man es in Tablettenform einnimmt oder ob die Zuführung über die Haut empfehlenswert ist. „Beim Östrogen ist prinzipiell die Gabe über die Haut vorzuziehen, beispielsweise mit einem Dosiergel“, erläutert Dr. Römmler. „Das natürliche Progesteron wird als Kapsel eingenommen.“

Die Anwendung ist dabei im Regelfall nicht mit Nebenwirkungen verbunden, da nur die natürlichen Verhältnisse wiederhergestellt werden. Der Körper bekommt die Hormone also nur in der jeweiligen Menge zugeführt, die er benötigt.

Die Hormongabe über die Haut gilt als besonders schonend. Ein weiterer Vorteil dieser Therapie: Da Hormone über die Haut besser aufgenommen werden, können sie niedrig dosiert und an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen angepasst werden.

Fünfzig plus – und Schluss mit lustig?

Doch wie steht es eigentlich mit der weiblichen Sexualität in und nach dem Klimakterium? Zunächst die gute Nachricht. Wechseljahre und Ende der Fruchtbarkeit bedeuten ganz offensichtlich nicht das Aus für die Lust auf und an der Liebe!

Wie statistische Erhebungen zeigen, sind 60 Prozent der 60- bis 74-jährigen Frauen sexuell aktiv; bei den über 80-Jährigen sind es immerhin noch zehn Prozent. Dass das sexuelle Verlangen trotzdem häufig nachlässt bzw. nicht mehr gelebt wird, hat verschiedene Gründe.

So herrscht z.B. infolge der durchschnittlich höheren Lebenserwartung von Frauen „ab einem gewissen Alter“ schlicht „Männermangel“. Im Klartext: Je älter Frau wird, desto öfter fehlt ihr ein Partner – und in der Gruppe der 80-Jährigen schließlich kommen statistisch gesehen „auf jeden Mann zwei Frauen.“

Als noch fataleres Hindernis für eine erfüllte Sexualität kann sich der negative Einfluss gesellschaftlicher Vorurteile erweisen, da das Altern der Geschlechter nach wie vor unterschiedlich bewertet wird: Frauen werden „im Gegensatz zu Männern früher als unattraktiv, alt und asexuell wahrgenommen.“

Kein Wunder, dass sich dieser durch den zeittypischen Jugendwahn wie durch traditionelle Rollenbilder gespeiste „double standard of aging“ verhängnisvoll auf das weibliche Selbstwertgefühl auswirken kann. Frauen erleben das Älterwerden daher bisweilen als „kontinuierliche sexuelle Entwertung“ – und empfinden ihre sexuellen Wünsche schließlich irgendwann selbst als „unpassend“.

Es verlangt also anfangs vielleicht etwas Mut, gegen den Strom zu schwimmen und zum eigenen alternden Körper sowie seinen Bedürfnissen zu stehen. Wagen sollte frau es trotzdem. Erwiesenermaßen und entgegen überholter Ansichten bleiben Frauen nämlich „bis ins hohe Alter sexuell genuss- und orgasmusfähig.“

Eine Quelle der Lebensfreude und Energie, die „Golden Girls“ nicht ohne Weiteres verschenken sollten; zumal gerade die erfahrenen, reifen Jahre die Chance zu einem anderen, intensiveren und zärtlicheren Erleben der Sexualität eröffnen. Und egal ob dieses Neuland der Liebe in einer vertrauten langjährigen Beziehung oder gemeinsam mit einem neuen Partner erobert wird: Nach den Wechseljahren wartet endlich die große Freiheit – ohne monatliche Regelblutung, Angst vor ungewollten Schwangerschaften und Verhütung!

Lieber gleich zum Frauenarzt

Bevor sich diese Vorteile genießen lassen, gilt es jedoch oft noch eine körperliche Hürde zu überwinden. Denn nicht nur bei Männern kann das Nachlassen der Hormonproduktion zu Problemen beim Sex führen – und nicht nur sie schweigen. Oder?

Wenn es um die eigene Sexualität geht, gelten auch Frauen als eher schweigsam. Vor allem über Probleme im Genitalbereich sprechen die meisten von ihnen nur ungern – so hieß es zumindest bisher. Erfreulich sind daher die Ergebnisse einer aktuellen Emnid-Umfrage bei 1.105 Frauen im Alter von 14 bis 60 plus.

Über die Hälfte der Befragten (57 Prozent) werden heute schnell aktiv und verschweigen oder verharmlosen ihre Beschwerden nicht mehr: Um sich über Unterleibsbeschwerden wie Harnwegsinfekte, Inkontinenz oder Scheidentrockenheit zu informieren, suchen sie direkt den Arzt auf. Lediglich jeweils drei Prozent machen sich zunächst über Bücher und Zeitschriften oder im Internet schlau. Nur etwa zwei Prozent holen sich in der Apotheke Rat.

Bei der Wahl des Arztes bevorzugen Frauen einen Experten.

Von allen Umfrageteilnehmerinnen wendet sich nur rund jede Sechste (17 Prozent) erst einmal an ihren Hausarzt. Nur bei den Frauen über 60 sieht das anders aus: Jeder vierten Seniorin fällt es leichter, mit dem Hausarzt über ihre Beschwerden zu sprechen. Insgesamt zieht jedoch die Hälfte aller Befragten (51 Prozent) sofort den Gynäkologen ins Vertrauen – bei Frauen zwischen 30 und 59 Jahren sind es sogar 59 Prozent.

Und das mit gutem Grund: Denn bei spezifischen Erkrankungen wie etwa Scheidentrockenheit – an denen nahezu jede zehnte Frau schon einmal zu leiden hatte – ist der Facharzt der kompetente und einfühlsame Ansprechpartner für die Frau. Er weiß, warum und wann es zu Veränderungen im Genitalbereich, zu unangenehmen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder zu bakteriellen Infektionen kommen kann.

Die natürliche Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut variiert nämlich. U.a. können verschiedene psychische oder körperliche Veränderungen zu einer trockenen Scheide führen. Und als Auslöser gelten neben Stress und Problemen in der Partnerschaft insbesondere Hormonveränderungen in den Wechseljahren.

Der Facharzt kann hier gezielt den Leidensdruck nehmen und rasch Abhilfe schaffen. Denn bewährte Medikamente mit dem Hormon Estriol – beispielsweise OeKolp – helfen bei Trockenheit und Schmerzen im Scheidenbereich sowie auch bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Das als Creme, Zäpfchen oder Ovula erhältliche Präparat regeneriert die Schleimhaut, fördert die natürliche Durchblutung und sorgt für ein natürliches, saures Scheidenmilieu.

Weitere Infos und Quellen:

Sexualität in den Wechseljahren
Alterssex
Wechseljahre-Sexualität
Hormontherapie
Quelle: (djd)

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