Jugendkriminalität: Mehrheit der Deutschen sieht Forderung nach Verschärfung des Jugendstrafrechts nur wegen der bevorstehenden Landtagswahlen
Ob die Deutschen die Forderung nach härteren Strafen für gewalttätige Jugendliche unterstützen, hängt von den Alternativen ab, vor die sie bei der Umfrage gestellt werden.
Der ARD-DeutschlandTrend hat in dieser Woche zum Vergleich zwei Fragen gegenübergestellt. Wenn es darum geht, härtere Strafen einzuführen oder bei den bestehenden Gesetzen zu bleiben, sprechen sich 54 Prozent der Befragten für härtere Strafen aus.
Hier gaben 61 Prozent an, sie hielten vorbeugende Maßnahmen wie z. B. eine bessere Betreuung bekannter Problemfälle für den besseren Weg. Nur 25 Prozent setzen in diesem Fall auf härtere Strafen. Für diese Umfrage im Auftrag der ARD-Tagesthemen hat Infratest dimap am Montag und Dienstag 1.000 Bundesbürger telefonisch befragt.
Der ARD-DeutschlandTrend fragte die Bundesbürger detailliert, welche Maßnahmen sie für geeignet halten, um die Zahl gewalttätiger Jugendlicher zu verringern.
93 Prozent halten den schnelleren Beginn von Gerichtsverfahren unmittelbar nach der Tat für geeignet, 92 Prozent sehen in einer besseren Sprachförderung schon im Kindergartenalter eine geeignete Maßnahme.
Nach Ansicht von 82 Prozent der Befragten ist eine umfassendere Betreuung von Kindern und Jugendlichen, zum Beispiel durch die Pflicht zum Kindergartenbesuch und Ganztagsschulen, nötig, um Gewalttaten Jugendlicher zu verringern.
Abschiebung bei kriminellen jugendlichen Tätern
Als geeignete Mittel für die Bekämpfung der Jugendkriminalität sieht eine Mehrheit der Deutschen auch eine schnellere Abschiebung von schwer kriminellen jugendlichen Ausländern (78 Prozent), einen "Warnschussarrest" zusätzlich zur Bewährungsstrafe (62 Prozent) und härtere Strafen im Rahmen der bereits bestehenden Gesetze (59 Prozent).
Erziehungscamps
Die Einrichtung von Erziehungscamps für jugendliche Straftäter halten 49 Prozent der Befragten für geeignet, 45 Prozent halten sie für nicht geeignet.
In der Anhebung der Höchststrafe von 10 auf 15 Jahre sieht die Mehrheit der Bundesbürger (54 Prozent) kein geeignetes Mittel, um die Zahl gewalttätiger Jugendlicher zu verringern. 42 Prozent halten diese Maßnahme für geeignet.
Effekthascherei bei CDU/CSU
51 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Union die Verschärfung des Jugendstrafrechts nur wegen der bevorstehenden Landtagswahlen fordert. 41 Prozent meinen, dass die Verschärfung des Jugendstrafrechts der Union ein ernsthaftes Anliegen ist.
Quelle: ARD-DeutschlandTrend
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