Bremen führt als erstes deutsches Bundesland generelles Tempolimit auf Autobahnen ein
Ab dem heutigen Mittwoch, 09. April 2008 gilt auf Autobahnen im Lande Bremen ein generelles Tempolimit von 120 Stundenkilometern. Damit ist Bremen das erste deutsche Bundesland, in dem eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen gilt.
Er kündigte Gespräche mit seinen Ministerkollegen zu einer Bundesratsinitiative für ein generelles Tempolimit auf Bundesautobahnen an.
Loske verwies neben den klima- und umweltpolitischen Argumenten für ein Tempolimit vor allem auch auf die verkehrlichen Wirkungen. So habe sich in Bremen auf der A 27 die Zahl der geschwindigkeitsbedingten Unfälle spürbar erhöht, nach dem eine temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern wieder aufgehoben wurde.
"Auf allen Strecken, auf denen ein Tempolimit gilt, ist die Gefahr schwerer Unfälle mit Personenschaden deutlich geringer. Deshalb ist ein Tempolimit nicht nur Umwelt- und Klima-, sondern in erster Linie auch Menschenschutz", so der Bremer Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa, Dr. Reinhard Loske. Im Übrigen, so Loske weiter, verringere ein generelles Tempolimit auch deutlich die Belastung mit Stickoxiden, Feinstaub und anderen Luftschadstoffen. "Nicht zuletzt führt ein Tempolimit zu einer spürbaren Entlastung der Anwohner auch vom Lärm", so Dr. Reinhard Loske.
Im Bundesland Bremen gibt es auf den Autobahnen 1, 27, 270 und 281 insgesamt rund 60 Kilometer Autobahn, auf denen seit Mittwochfrüh das Tempolimit gilt.
AvD sieht das Tempolimit nicht als Vorteil für die Umwelt
Das in Bremen umgesetzte Tempolimit von 120 km/h auf den insgesamt 60 Autobahnkilometern bringt nach Ansicht des Automobilclubs von Deutschland (AvD) nicht die von Bremens Verkehrs- und Umweltsenator Reinhard Loske versprochenen Vorteile für die Umwelt. Auch im Hinblick auf die Unfallbilanz ist das generelle Tempolimit kritisch zu betrachten, so dr AvD.
Laut AvD ist zwar die Behauptung richtig, eine Begrenzung des Tempos auf 120 km/h könne die CO2-Emissionen eines Fahrzeuges senken, doch beziehe sich dies eben nur auf das einzelne Fahrzeug und nicht auf die Gesamtheit des Verkehrs.
Der größte Teil der deutschen Autobahnen unterliegt bereits einer Geschwindigkeitsbeschränkung, die Durchschnittsgeschwindigkeit aller PKW liegt im gesamten Autobahnnetz bei unter 117 km/h. Darüber hinaus geschieht die Mehrheit aller Unfälle bei Geschwindigkeiten von unter 100 km/h.
Die von Bremen erhofften positiven Auswirkungen werden deshalb schlichtweg nicht eintreten. Im Gegenteil: Die angesichts des starken LKW-Verkehrs notwendige Entflechtung des Verkehrs durch streckenweise freie Fahrt würde durch Verlagerung und Verlangsamung des Verkehrs auf den linken Autobahnspuren zu mehr Staus und mehr Auffahr-Unfällen führen, die auch negative Auswirkungen auf die Abgasbilanz haben und sich damit nachteilig auf die Umweltbilanz auswirken.
Dass ein generelles Tempolimit auf 120 km/h ein schneller und unbürokratischer Weg zum Klimaschutz sei ist schlichtweg falsch. Klimaschutz lässt sich so nicht betreiben. Diese Argumentation ist höchstens geeignet, das umweltpolitische Gewissen zu beruhigen und sich zu sagen, dass man es doch wenigstens versucht hätte.
Der AvD begrüßte allerdings die klare Absage von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre, die Bremer Lösung als Modell für eine deutschlandweite Lösung zu übernehmen.
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