Auf der Alm da gibt’s koa Zeit für Sünd’
In Oberbayern erleben Wanderer noch echten Senneralltag
„Die Alm ist mein Reich. Hier bin ich mein eigener Herr“, sagt Senner Otto Zaiser, der sich jedes Jahr für mindestens vier Monate in die Einsamkeit der Chiemgauer Alpen verabschiedet. Sein Reich, das sind viele Hektar Weide, die er mit 35 Tieren teilt, darunter Milchkühe, Kälber, Jungvieh und eine Katze.
Mittendrin die kleine Almhütte auf knapp 1000 Metern über dem Meeresspiegel, in der er zwar nur wenige Kilometer von der Zivilisation entfernt, aber doch in einer ganz anderen Welt lebt: ohne Fernseher, ohne fließendes, heißes Wasser, ohne Luxus.

Die schönsten Hütten im Chiemgau entdecken
Für viele Wanderer gehören der Alm-Abstecher und die zünftige Brotzeit einfach dazu. Die schönsten Hütten und Weiden des Chiemgaus können Urlauber etwa auf einer viertägigen Wandertour auf der Via Alpina entdecken. Tagsüber erklimmen die Wanderer die Gipfel und können mit ein bisschen Glück unterwegs seltene Steinadler oder possierliche Murmeltiere erblicken. Abends kehren sie in urigen Berghütten ein, wo sie mitten in der Einsamkeit der Chiemgauer Alpen übernachten.
Auf den Almen der Senner können Gäste normalerweise nicht übernachten. Der lange und arbeitsintensive Alltag lasse dies nicht zu, erklärt Otto Zaiser. Ausnahmen gestattet Hans Oswald, der gemeinsam mit seiner Frau Christine auf dem Jochberg im Tölzer Land eine Alm bewirtschaftet. Im Tal in Jachenau, wo das Ehepaar auf dem heimischen Hof „überwintert“, vermieten die Senner Ferienwohnungen an Gäste aus ganz Deutschland. Die Urlauber dürfen auf Wunsch schon mal in der einsamen Almhütte nächtigen. „Ich würde es aber eigentlich nicht empfehlen, hier zu schlafen“, scherzt Hans Oswald. Denn mit der Nachtruhe ist es schnell vorbei: Um fünf Uhr brummen und surren auf 1400 Metern schon die Melkmaschinen im Stall.
Ruhe kehrt in der Senner-Hütte meist erst am späten Abend ein. Gegen acht Uhr steht bei den Oswalds das Essen auf dem Tisch. Danach wartet oft noch Arbeit: Holz hacken. Oder Wiesen mähen. Und doch bleibt die Beschaulichkeit auf der Jochbergalm nicht auf der Strecke: Ab und zu findet auch das Senner-Ehepaar ein paar stille Stunden, in denen es sich ein kühles Bier gönnt und den Blick über den Walchensee und das Wettersteingebirge schweifen lässt, die langsam in der Dämmerung versinken. Drumherum weiden die Kühe, Glocken bimmeln, ansonsten herrscht Stille auf dem Berg. „Das sind schon schöne Momente“, sagt Hans Oswald.
Otto Zaiser dagegen lebt den ganzen Sommer über alleine auf der Vorderen Dalsen-Alm. An manchen Abenden kommen Freunde aus dem Tal zu Besuch. Aber meistens hat der junge Senner kaum Zeit, die Füße hochzulegen oder sich einsam zu fühlen. Dafür ist er viel zu sehr damit beschäftig, sich um Kühe, Wiesen, Stall und Hütte zu kümmern. „Irgendetwas gibt es immer zu tun“, erklärt der gebürtige Schlechinger. Wenn er dann Anfang Oktober aus der Einsamkeit der Bergwelt wieder in den Alltag im Tal hinabsteigt, die Tiere zurück in den Stall getrieben hat, muss er sich erstmal an Gesellschaft gewöhnen.
Almwochen rund um Reit im Winkl
Auf jede Menge Besucher bereiten sich die bewirtschafteten Bergwiesen rund um Reit im Winkl vor: Der Luftkurort bietet seinen Urlaubern in den Almwochen im September geführte Wanderungen an und gewährt ihnen tiefe Einblicke in den Alltag auf der Alm. So erfahren Gäste am Mittwoch, 12. September, nach einem köstlichen Frühstück auf der Winklmoos Alm alles rund um die Käseherstellung und das Leben der Senner im Wandel der Zeit. Zwischendurch werden hausgemachte Säfte gereicht, bevor es dann weiter geht auf die idyllische Sonnenalm, wo der erlebnisreiche Tag mit zünftiger Musik endet.
Während der Almwochen in Reit im Winkl haben Urlauber reichlich Gelegenheit, das alpenländische Leben kennen zu lernen. Tag für Tag führen Touren zu den versteckten Schmuckstückchen des Chiemgaus. Ein Picknick auf den weiten Wiesen der Gräbner Alm beschert unvergessliche Naturimpressionen.
Wanderführer „123 Almen und Berggasthöfe“
Wer die bewirtschafteten Bergwiesen der Regionen Chiemgau, Chiemsee und Wendelstein lieber auf eigene Faust erkunden möchte, sollte sich den Wanderführer „123 Almen und Berggasthöfe“ in den Rucksack stecken. Die Broschüre verrät neben den schönsten Touren für alle Fitnessgrade allerhand Wissenswertes über Geschichte und Gegenwart der Almwirtschaft. Das 92 Seiten starke Heft ist in den Tourist-Informationen der Regionen, beim Chiemgau-Tourismus und in größeren Buchhandlungen erhältlich.
Informationen und Auskünfte: Chiemgau Tourismus e.V., fon 0861/58 223, www.chiemgau-tourismus.de; Hans und Christine Oswald, fon 08851/254, www.seppenbauernhof.de; Tourist Info Reit im Winkl, fon 08640/80027, www.reitimwinkl.de
Quelle: TV Oberbayern
| Mitglied | Diskussion |
|---|


