Hotels in Europa geraten unter Druck
Tourismus und Hotellerie leiden unter der globalen Wirtschaftsentwicklung - betroffen sind nahezu alle Regionen weltweit. Das gilt zeitlich etwas verzögert auch für Europa. So ist die Lage der Hotels in Europas Metropolen und Regionen mittlerweile zunehmend angespannt, denn die Kombination aus schwindendem Verbrauchervertrauen und -vermögen sowie allgemeiner Kreditklemme setzt dem Hotelsektor stark zu.
"Bis September 2008 war die Welt noch in Ordnung, das zeigt der Blick auf die Erträge der Stadthotels - zum Beispiel in Dubai und New York, aber auch in London, Paris und Tel Aviv. Sie alle beeindruckten durch gute Bettenauslastung und einen steigenden revPAR. Die Hotellerie in Deutschland kann für 2008 ebenfalls auf ein insgesamt gutes Jahr zurückblicken", erklärt Benjamin Ploppa, Senior Manager Hotellerie bei Deloitte.
Europa uneinheitlich
Zehn europäische Destinationen konnten sich unter den Top 20 bei der durchschnittlichen Zimmerrate und sieben hinsichtlich der Zimmerertragssteigerung platzieren - überdies ist Europa mit 53 Prozent aller Besucher die erfolgreichste Tourismusregion. Dabei leiden nahezu alle europäischen Städte unter der Verunsicherung der Verbraucher, die sich Kurztrips in Metropolen zunehmend nicht mehr leisten können oder wollen.
Dennoch gibt es nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Zu Letzteren zählen London und Paris. So hatte Großbritanniens Hauptstadt 2008 die weltweit fünfthöchste Bettenauslastung mit 81,1 Prozent und Paris (77,8%) ist als einzige europäische Stadt in allen Top-20-Tabellen vertreten. Brüssel und Moskau konnten ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen wie auch Wien, Genf und Zürich - Letztere hauptsächlich wegen der Fußball-EM.
Deutschland 2008 mit guten Ergebnissen
Die deutsche Hauptstadt schaffte es zwar nicht in die internationalen Top-Listen, jedoch stiegen die Average Room Rate (ARR) um 6,2 Prozent und der revPAR um 3,7 Prozent auf 61 Euro. Allerdings fiel die Bettenbelegung um 2,3 Prozent - und zum ersten Mal seit 2003 ging auch die Zahl der inländischen Besucher zurück.
Für 2009 setzt Berlin auf Impulse durch die Feiern zum 20-jährigen Jahrestag des Mauerfalls und das 60-jährige Gründungsjubiläum der Bundesrepublik Deutschland.
Einige deutsche Städte mussten im Jahr 2008 trotz der insgesamt positiven Entwicklung deutliche Einbußen hinnehmen: Hannover verzeichnete eine der niedrigsten Bettenauslastungen weltweit mit 53,4 Prozent und Dresden einen der niedrigsten revPARs mit 43 Euro.
b>Aufsteiger Asien ebenso betroffen
Auch in anderen Regionen der Welt ist die Lage durchwachsen. Asien konnte sich mit 188 Mio. Besuchern hinter Europa (489 Mio. Besucher) als zweitbeliebteste Destination etablieren.
Ins Reich der Mitte reisten - nach Frankreich, Spanien und den USA - die meisten Menschen, was vor allem auf die Olympischen Sommerspiele zurückzuführen ist. Dabei erzielten die Beijing-Hoteliers in der Eröffnungsnacht revPARs bis zu 443 US-Dollar und die Average Room Rate steigerte sich um 450 Prozent. Auf der anderen Seite sorgten politische Unruhen, z.B. in Thailand, für einen deutlichen Rückschlag.
Zahlen die bald der Vergangenheit angehören
Im Nahen Osten gehörten Dubai, Abu Dhabi sowie Saudi-Arabien zu den Gewinnern. Auch für Israel war 2008 ein gutes Tourismus-Jahr. Die USA waren sehr früh und am unmittelbarsten von der Krise betroffen - jedoch legte New York noch deutlich zu, San Francisco und New Orleans konnten gleichfalls gute Ergebnisse vorweisen.
"In Anbetracht der andauernden Weltwirtschaftskrise sind die Aussichten für 2009/2010 auch in der Hotellerie stark eingetrübt. Manche Hoteliers kämpfen ums Überleben, da sie auf der einen Seite niedrigere Erträge verzeichnen und andererseits Schwierigkeiten haben, tragfähige Anschlussfinanzierungen zu erhalten.
In Krisensituationen kommt es darauf an, sich langfristig zu positionieren. Der Kampf um die Gäste verschärft sich. Preisdumping ist allerdings keine Lösung, denn erfahrungsgemäß erholt sich der durchschnittliche Zimmerpreis wesentlich langsamer als die Belegungsrate", resümiert Benjamin Ploppa.
Die komplette Studie finden Sie hier zum Download.
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