Geld & Finanzen : Studienergebnis: Erfolgsorientierte Bezahlung für sog. Topmanager nicht relevant
Geschrieben von redaktion am 08.03.2010 17:44 (4520 x gelesen)

Sind Manager-Boni im Finanzsektor wirklich notwendig?

Einer neuen Studie der Rotterdam School of Management zufolge, beurteilen Topmanager erfolgsorientierte Bezahlung als nicht relevant für die Eigenmotivation.

Bonuszahlungen sind wichtige Anreize für Leistung. Gleichzeitig sind sie jedoch auch das am häufigsten genannte Beispiel für eine ungezügelte persönliche Bereicherung im Finanzsektor.

Neue Forschungsergebnisse von David De Cremer, Professor für Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftsethik an der Rotterdam School of Management, Erasmus University und Gastprofessor an der London Business School, zeigen, dass niederländische Topmanager glauben, dass lediglich ihre Kollegen, nicht jedoch sie selbst, durch Bonuszahlungen zu besserer Leistung angeregt werden.

Dazu De Cremer: „Die Studie macht deutlich, dass die seit Jahren proklamierte Notwendigkeit von Manager-Boni im Finanzsektor ein Mythos ist.“ Obwohl Manager durch erfolgsorientierte Bezahlung beeinflusst werden und diese als Mittel ansehen, um Top-Nachwuchskräfte zu rekrutieren, stellte sich heraus, dass sie ihre eigenen Bankgeschäfte bevorzugt mit Banken abschließen, die den Interessen ihrer Kunden und nicht Gewinnstreben Priorität geben.

Im Rahmen seiner Studie befragte De Cremer 15 niederländische Topmanager nach der Bedeutung von Bonuszahlungen für ihre Eigenmotivation. Gleichzeitig sollten sie die Bedeutung von Boni für ihre Kollegen einschätzen.

Die Ergebnisse sind deutlich: Alle befragten Topmanager glaubten, dass Boni für ihre Kollegen wichtiger seien, als für sich selbst. Hat das Bonussystem im Finanzsektor also tatsächlich den Stellenwert, der ihm beigemessen wird? Würde die Eigenmotivation von Topmanagern wirklich durch das Fehlen von Bonuszahlungen untergraben?

Erstaunliche Ergebnisse liefert auch die letzte Frage von De Cremer an die Topmanager nach der Art von Bank, die die Manager mit der Abwicklung ihrer eigenen Bankgeschäfte betrauen würden: Banker A geleitet von Eigeninteresse und Gewinnstreben oder Banker B, für den das Interesse des Kunden sowie der Kundenservice oberste Priorität hat. Ohne Ausnahme entschieden sich alle Manager, die an der Studie teilnahmen für Banker B, während sie jedoch deutlich machten, dass sie Banker A in ihrer eigenen Bank angestellt hätten.

Auf Grund seiner Forschungsergebnisse spricht sich de Cremer für mehr Investitionen in die Weiterbildung und Schulung von Führungskräften und Managern im Finanzsektor aus. Dies würde die Notwendigkeit für übermäßige Bonuszahlungen erheblich verringern.

Quelle: Rotterdam School of Management, Erasmus University (RSM)

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