Dachau: Das Jazz-Mekka bei München Auch diesmal war German News Reporter Peter Hoffmann vor Ort und kam vom Abschlußkonzert des Dachauer Jazzherbstes begeistert zurück. | ![]() |
Brötzmann/Parker/Drake beim Jazzherbst Dachau
Freitag, 26. November 2004, Bubu-Bühne im Café Teufelhart in Dachau.
Angesagt war ein wahres All-Star-Trio. Erwartet wurde kraftvoller Freejazz in der Albert Ayler-Tradition. Erwartet wurde der Mann, der so klingt wie er heißt, eine der ganz großen Legenden der freien Musik: Peter Brötzmann.
Erhalten haben wir die ganz hohe Kunst des Trio-Spiels. Denn William Parker (Bass) und Hamid Drake (Drums) gehören zum Bedeutendsten was der Jazz von heute zu bieten hat.
Schön, wenn man solche Giganten in einer solch intimen Umgebung wie dem Café Teufelhart erleben darf. Noch schöner, wenn die nicht geringen Erwartungen an das Konzert von den drei Akteuren noch weit überboten wurden.
Hochamt
Was die drei älteren Herren aus ihren Instrumenten zaubern, wie sie blind zusammen spielen und musikalische Dimensionen eröffnen, ist unglaublich beeindruckend.
Aus dem kleinen Café wird ein Raum angefüllt mit der Kraft ihrer Klänge, mit der Kraft ihres traumhaften Ensemblespiels, mit der Kraft die einmal mehr beweist: das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile.
Der Raum wird zum Kraftraum, durchdrungen von kosmischen Kräften die von einem Höhepunkt zum nächsten klingen. Eine Kraft, die jeder im Publikum spürt, die Besitz ergreift, die Zuhörer mitnimmt, davon trägt, anfüllt, auflädt – verschmelzen lässt mit Musikern und Klang.
Vorausgesetzt man lässt sich darauf ein. Aber ein solch fachkundiges Publikum wie an diesem Ort zu dieser Stunde war natürlich ganz bei der Sache, wenn das Hochamt in Sachen Jazz vorgetragen wird.
Hauptdarsteller
Peter Brötzmann (Jahrgang 1941) hat wohl den heftigsten Saxophon-Klang in der Jazz-Geschichte, er spielt direkt aus Herzen, direkt aus dem Herzen – mit einer Intensität, die schlicht unvergleichlich ist.
Seit seinen frühen Zeiten in den 60er Jahren polarisiert er. Die einen finden ihn genial, die anderen einfach unerträglich. Tatsache ist, dass er von den legendären "Machine Gun"-Aufnahmen in den 60ern über die Ausflüge mit Bill Laswell und "Last Exit" Richtung Jazzrock in den 80er Jahren bis heute Musikgeschichte geschrieben hat und schreibt.
Auch wenn er heute etwas ruhiger geworden ist, so wird er doch nicht müde, sein Ding durchzuziehen. Er ist wie kaum ein anderer in der Lage Stimmungen auszudrücken ohne sie dazu ins Begriffliche transformieren zu müssen.
Sein allseits bekanntes Markenzeichen ist das Wüten und Toben, das BRÖTZEN - Übersehen wird dabei aber oft, dass Brötzmann auch ein Meister der Ballade ist. Sein Blues, seine Lyrik berühren uns genauso wie seine expressiven Eruptionen. Brötzmann: "Mein Basismaterial bin ich, mein Kopf, mein Körper, meine Sprache. Ich sehe Musik eigentlich als Verlängerung meiner Sprachartikulation. Und darum werden sich auch in der Entwicklung keine Sprünge ergeben. Natürlich, Nuancen verändern sich, das Material erweitert sich, hoffe ich zumindest. Aber im Prinzip bleibt es die selbe Basis."
William Parker, geb. 1952, lebt in New York. Studium bei Jimmy Garrison und Richard Davis, spielte mit bahnbrechenden Musikern wie Cecil Taylor, Bill Dixon, Milford Graves und Sunny Murray um nur einige zu nennen. Gegenwärtig leitet er eine eigene Big Band, das "Little Huey Orchestra" und spielt im aktuellen Quartett von David S. Ware. Mit Peter Brötzmann arbeitet Parker seit 1983 immer wieder zusammen.
Hamid Drake, Chicago, ist wahrscheinlich der meistbeschäftige Freejazzdrummer der Gegenwart. Er begleitete Pharoah Sanders und Yuseef Lateff, war 17 Jahre lang in Don Cherrys Mandigo Griot Society aktiv und ist seit über 25 Jahren die treibende Kraft in den Formationen der AACM-Legende Fred Anderson. In letzter Zeit ist er vermehrt mit Musikern wie Ken Vandermark und David Murray in Erscheinung getreten.
Zum Abschluss noch einmal Peter Brötzmann über seine Herangehensweise, seine Sicht der freien, improvisierten Musik:
"Darum geht es, von sich zu erzählen, das zu sagen, was man an diesem Abend, an diesem Tag zu sagen hat, erlebt hat, weiterzugeben, das ist ein bisschen simplifiziert, aber im Prinzip geht es um Geschichtenerzählen, ich kann es nicht anders sagen."
(ph)
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