Ein Blick hinter die Kulissen des Oktoberfestes

Datum 29.07.2005 09:52 | Thema: Oktoberfest

Das Oktoberfest ist eine Großveranstaltung der Stadt München.

Planung und Organisation des größtes Volksfestes der Welt liegen in den Händen des Tourismusamtes der Landeshauptstadt, Abteilung Veranstaltungen.

Ein Team von sieben Personen ist mit den Vorbereitungen und dem Ablauf des Festes beschäftigt.

In der heißen Aufbauphase ab Mitte/Ende Juli treten die acht Mitarbeiter des Bauhofs der Veranstaltungsabteilung auf der Theresienwiese in Aktion. Sie sind zuständig für das Ausmessen der Stellplätze, den Aufbau der städtischen Standln und Toiletten sowie für Instandsetzungsarbeiten während der Wiesn.

Um den reibungslosen Ablauf des Festes zu gewährleisten, werden weitere städtische Dienststellen eingeschaltet, die auch während der Wiesn vor Ort präsent sind.

Das Servicezentrum Theresienwiese (SZT)

Der Festbau, entworfen vom Berliner Architekturbüro Volker Staab, wurde nach nur einem Jahr Bauzeit und allein finanziert vom Betrieb Oktoberfest, im Jahr 2004 den Nutzern übergeben.

Grundgedanke des Architekten war, dass das neue Servicezentrum nicht als Haus wirkt, sondern sich als „Infrastrukturobjekt für das Oktoberfest“ unaufgeregt auf die Theresienwiese duckt. Wie ein Kupferbarren ruht der flache 84 Meter lange Baukörper auf der Ebene. Seine metallische Hülle wird im Laufe der Zeit patinieren und sich optisch an die Schotter- und Wiesenflächen angleichen. 2004 erhielt die Landeshauptstadt München den Deutschen Fassadenpreis für dieses unkonventionelle Bauwerk.

Das Servicezentrum Theresienwiese hinter der Schottenhamel-Festhalle ist das Herz der Großveranstaltung.

Hier hat die Festleitung des Tourismusamtes ihren Sitz. Während des Oktoberfests betreut dort die eigene Wiesn-Pressestelle des Tourismusamtes Medienvertreter und ist Umschlagplatz von Nachrichten rund um das Oktoberfest für die Redaktionen im In- und Ausland.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR), zuständig für Sicherheit und den Verbraucherschutz auf der Wiesn, ist im SZT mit dem KVR- Wiesn-Büro, dem Fundbüro und der Wiesn-Wache der Berufsfeuerwehr vertreten.

Weiter sind Außenstellen des Jugendamtes, des Finanzamtes und des Referats für Gesundheit und Umwelt eingerichtet.

Die Polizei ist mit einer Wiesn-Wache und Pressestelle vor Ort präsent.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) unterhält eine mit Ärzten, Schwestern und Rotkreuzhelfern besetzte Sanitätsstation im SZT und zwei weitere Rettungsstationen auf dem Festgelände (Anliefererstraße/Augustinerfesthalle und östlich des Löwenbräuzeltes).

In der Kinderfundstelle des BRK werden verloren gegangene Kinder versorgt und sind Wickel- und Stillplätze eingerichtet. Medienvertreter werden vom BRK-Pressesprecher auf der Wiesn betreut.

Im Rahmen der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ steht ein Security Point als Anlaufstelle für verunsicherte Frauen in Notlagen zur Verfügung.

Alle Wachleute im SZT, die das Button der Aktion tragen, bringen die betroffenen Frauen umgehend zu den Mitarbeiterinnen des Security Points.

Betreut wird dieser Service von geschulten Mitarbeiterinnen der Initiativen AMYNA – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch, IM-MA – Initiative Münchner Mädchenarbeit und dem Frauennotruf München.

Die Premiere auf der Wiesn 2003 startete erfolgreich und setzte damit ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung auf Volksfesten.

Mit dieser Einrichtung, die mit dem Stiftungspreis 2003 der Stiftung „Hänsel und Gretel“ gewürdigt wurde, ist das Oktoberfest weltweit führend und wird wieder einmal seiner Vorbildfunktion als innovatives Volksfest gerecht.

Die TÜV Bau- und Betriebstechnik GmbH, die alle Betriebe vor Beginn der Wiesn auf Herz und Nieren prüft, hat während des Festes ihren Sitz im SZT. Übrigens gilt das Prädikat „TÜV-München geprüft“ in der Welt der Volksfeste über Deutschland hinaus europaweit als höchstes Gütesiegel für technische Zuverlässigkeit.

Das Servicezentrum ist ganzjähriger Sitz der Abteilung Veranstaltungen des Tourismusamt, die die Theresienwiese als Veranstaltungsort verwaltet.

Ebenso ganzjährig sind die zuständigen Mitarbeiter der Stadtwerke München (SWM) vor Ort untergebracht, die für die Versorgung der Veranstaltungen mit Strom, Erdgas und Trinkwasser verantwortlich sind.

Während des Oktoberfestes garantiert ein Bereitschaftsdienst die sichere Energie- und Wasserversorgung rund um die Uhr.

Stromversorgung

43 Kilometer Kabel transportieren von 18 Trafostationen (drei davon unter-irdisch), je nach Lastenschwerpunkten über die gesamte Theresienwiese verteilt, die Energie an rund 160 Speisepunkte.

Von hier aus erfolgt der Anschluss der circa 750 Abnehmer (Festzelte, Fahrgeschäfte, Schau- und Verkaufsbuden usw.).

Der Stromverbrauch auf dem Oktoberfest insgesamt entspricht mit rund 2,9 Millionen Kilowattstunden (kWh) etwa 13 Prozent des durchschnittlichen Tagesverbrauchs der Stadt München; zum anschaulichen Vergleich: 1260 Münchener Haushalte könnten damit ein Jahr mit Strom versorgt werden.

Die benötigte Spitzenleistung ist vergleichbar mit der einer Kleinstadt von 21.000 Einwohnern. Die Leistungen für die großen Festzelte liegen bei 400 Kilowatt, für die großen Fahrgeschäfte in einer Größenordnung von über 300 Kilowatt.

Über 350.000 Brennstellen (Glüh- und Leuchtstofflampen) lassen auf der Wiesn die Nacht zum Tag werden.

Zur Sicherung der Stromversorgung sind jährlich umfangreiche Investitionen notwendig; so wurden in den letzten Jahren über zehn Kilometer Kabel neu verlegt. Zusätzlich wurden drei Trafostationen gegen neue mit höheren Leistungen ausgetauscht. Darüber hinaus haben die SWM neue Versor-gungsleitungen aus mobilen Trafostationen verlegt.

Damit können die SWM bei einem Kabelschaden die Stromversorgung jederzeit über ein anderes Stromkabel aufrecht erhalten. Für das Winzerer Fähndl wurde eine neue Einspeisung für den Küchenbereich verlegt, für die Augustiner-Festhalle und das Nymphenburg Weinzelt neue Hauptanschlüsse erstellt.

Erfreulicherweise wurde das SWM Öko-Strom Angebot „M-Natur“ von über der Hälfte der Wiesn-Beschicker angenommen. Mit dem Bezug von M-Natur leisten die Kunden nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, son-dern unterstützen den Neubau von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung (z.B. Photovoltaik, Wasserkraft, Biogas).
Erdgasversorgung

Auf der Theresienwiese ist für die Versorgung der Festzelte und Betriebe mit umweltschonendem Erdgas ein eigenes Leitungsnetz von rund vier Ki-lometer Länge verlegt.

Die ca. 55 gastronomischen Betriebe verbrauchen während der Wiesn ins-gesamt etwa 180.000 Kubikmeter Erdgas für Kochzwecke und 20.000 Kubikmeter Erdgas für die Heizstrahler in den Biergärten.

Mit dieser Verbrauchsmenge könnten rund 85 Einfamilienhäuser ein Jahr lang ihren Bedarf an Heizung und Warmwasser decken. Der durchschnittliche Tagesverbrauch an Erdgas von ca. 12.000 Kubikmeter entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von vier Einfamilienhäusern.

Wasserversorgung

Der Wasserverbrauch während des Oktoberfestes beträgt rund 90 Millionen Liter. Zum Vergleich: der tägliche Bedarf der gesamten Stadt liegt bei rund 320 Millionen Litern.

Für die Sicherstellung der Wasserversorgung und des Brandschutzes haben die Stadtwerke ein Versorgungsnetz mit Leitungen von rund 10 Kilometern Länge und 81 Hydranten installiert; hinzukommen etwa sieben Kilometer festverlegte Anschlussleitungen. Die Wasserqualität wird durch eine Vielzahl von Proben im SWM Labor permanent kontrolliert.

Straßenreinigung und Abfallbeseitigung

Auf der Wiesn 2004 beseitigte die städtische Straßenreinigung 243 Tonnen Kehricht. Das Amt für Abfallwirtschaft entsorgte 647 Tonnen Restmüll, rund 32 Tonnen Papier und 311 Tonnen Speisereste und Knochen.

Jeden Morgen um neun Uhr ist die Theresienwiese gereinigt und erwartet in sauberem Zustand den neuen Besucherstrom. Während des Festbetriebes sorgt ein mobiler Reinigungsdienst dafür, dass Müll und Glasbruch auf den Feststrassen beseitigt werden.

Bei der Abfallbeseitigung wird auf neuesten ökologischen Standard im Hinblick auf Abfalltrennung und –beseitigung Wert gelegt.

Quelle: Wiesn-Pressestelle



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