
Rund um das Bier in Oberbayern
Datum 01.09.2005 08:15 | Thema: Bier / beer
| Oberbayerns Brautradition
Insgesamt sind es heute 76 Brauereien, die in Oberbayern Gerstensaft produzieren, darunter zahlreiche kleinere Betriebe, die nur im eigenen Biergarten ausschenken oder die Wirte in der näheren Umgebung beliefern.
Sie alle gelten als Geheimtipp.
Ein paar davon dürfen wir Ihnen heute vorstellen:
Das Biermuseum Kuchlbauer im Herzen Bayern
Die Guillotine steht neben der eisernen Jungfrau, die Falltüre neben dem Labyrinth: Handgemachte Unikate aus dem 18. Jahrhundert und fantasievolle Vorläufer der heutigen Standard-Mausefalle haben ihren festen Platz im Biermuseum Kuchlbauer in Ingolstadt gefunden.
Denn die Mäuse waren natürlich auf Hopfen und Weizen erpicht und, so Erwin Wolff „Man ließ sich damals einiges einfallen, um die Kornspeicher frei von den kleinen Nagern zu halten“, der voller Stolz durch seine Gasthausbrauerei aus dem Jahr 1876 mit Vorwärmer, Sudpfanne, Kühlschiff, Gärbottich und Lagerfässern seine Gäste führt und der mit Hingabe das Handwerk der Scheffler und Brauer erklärt. Das Biermuseum Kuchlbaur in Ingolstadt – dem Ort, an dem anno 1516 das Reinheitsgebot als inzwischen ältestes Lebensmittelgesetz der Welt verkündet wurde – ist aber nur eine von vielen Adressen, an denen Besucher ihren (Wissens-)durst stillen können.
So lassen auch das Altomünsterer Brauereimuseum in Dachau, die Privatbrauerei Schweiger in Markt Schwaben oder der Familienbetrieb Dachsbräu in Weilheim ihre Gäste in die oberbayerische Biergeschichte eintauchen.
Besonders eindrucksvoll ist auch ein Abstecher zur Teisendorfer Privatbrauerei M. C. Wieninger im Berchtesgadener Land, die seit diesem Jahr wieder vor Ort Hopfen anbaut und damit an alte Traditionen anknüpft.
In der Murnauer Schaubrauerei im Gasthof Griesbräu werden Gerstensäfte mit verheißungsvollen Namen wie „Drachenblut“ oder „Murnator“ kredenzt, während die ebenfalls hier ansässige Brauerei Karg mit Erfolg auf ihre Familientradition setzt und die drei Töchter des Hauses unermüdlich den Weißbierfreunden zuprosten – von den Etiketten der Flaschen, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Die höchstgelegenen Privatbrauerei Deutschland
Ein besonderes Ausflugsziel ist die Privatbrauerei Mittenwald, auf 913 Metern über dem Meeresspiegel die höchstgelegene in Deutschland.
Hier wird seit 1808 Bier hergestellt und das quellfrische Brauwasser fließt aus 1200 Metern Höhe in eigenen Leitungen direkt zur Brauerei – das Ergebnis kann in der angeschlossenen Gaststätte Postkeller getestet werden.
Zu den Top-Adressen zählt ebenfalls das Renaissance-Schloss Maxlrain, das zwei Kilometer von Bad Aibling entfernt herrliche Ausblicke auf den Wilden Kaiser und die Kampenwand bis zum Wendelstein freigibt. In den gemütlichen Biergärten kann man im Angesicht der Münchner Hausberge prämierte Spitzenbiere genießen.
Übrigens: Die Schlossbrauerei als Herzstück Maxlrains wurde 1636 erstmalig urkundlich erwähnt.
Im Vergleich dazu ein richtig junger Betrieb ist die Weißbierbrauerei Hopf in Miesbach. Das Unternehmen, in dem heute 25 Mitarbeiter tätig sind, wurde 1921 gegründet und hat sich von Anfang an aufs Weißbier konzentriert. Acht verschiedene Sorten sind im Angebot, und das in höchster Qualität, was zahlreiche Auszeichnungen und Goldmedaillengewinne erkennen lassen.
Etwas Statistik gefällig?
Mitte der 80er Jahre begann der allgemeine Siegeszug des Weißbieres.
Im Jahr 2004 entfielen 36 Prozent der gesamten bayerischen Bierproduktion auf den trendigen Gerstensaft, der jenseits des Weißwurstgürtels als Weizen bekannt ist und schon lange als bayerisches Nationalgetränk gilt.
Das Helle kam nur auf 25 Prozent der 2310 Millionen Liter, die insgesamt von den 629 Brauereien des Bundeslands ausgestoßen wurden.
„Die Bayern selbst trinken pro Jahr rund 160 Liter Bier, Säuglinge und Greise eingeschlossen“, so Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes.
Damit sind sie in Deutschland unbestritten auf Platz 1.
Doch im Vergleich zu einst ist diese Menge verschwindend gering. „Noch vor 200 Jahren nahmen viele täglich sechs bis sieben Liter zu sich – gewissermaßen als Ersatz für feste Nahrung.“
So wird auch verständlich, dass ein Ort wie Neuötting etwa um 1860 bei 2000 Einwohnern neun Brauereien hatte. Als einzige übrig geblieben ist allerdings nur Müllerbräu, ein Unternehmen mit 21 Mitarbeitern, dessen jährlicher Bierausstoß bis nach München-Pasing reicht – sofern man die Kisten entlang der Straße aufstellen würde.
Im nahe gelegenen Altötting hat man noch heute die Auswahl zwischen Graminger Weissbräu und Altöttinger Hellbräu, während nur wenige Kilometer entfernt das Aschauer Bier mit Bio-Label abgefüllt wird.
Selbstverständlich bieten die vier traditionsreichen Häuser Besichtigungen und Einkehr in heimelige Biergärten und Stuben an.

Bier rund um den Chiemgau
Eine besondere Stellung auf der oberbayerischen Bierlandkarte nimmt der Chiemgau ein, denn nur wenige Regionen beheimaten so viele Traditionsbrauereien auf so engem Raum.
Traunstein gilt hier als Hauptstadt des Gerstensaftes – mit dem bekannten Traunsteiner Hofbräuhaus; mit der Brauerei Schnitzlbaumer, die nicht zuletzt aufgrund des stilvollen Wirtshauses mit integrierten Sudkesseln und der ausgezeichneten Gastronomie einen Besuch wert ist; mit der Brauerei Wochinger, in der man sich im umgebauten Rossstall niederlassen kann und mit der Maximiliansbrauerei.
Hinzu kommen im Umkreis von 30 Kilometern die Chiemseebrauerei in Grabenstätt, die Schlossbrauerei Stein und die Private Landbrauerei Schönram bei Teisendorf.
Biergärten Guide
Untrennbar mit den oberbayerischen Brauereien verbunden sind die Biergärten und ihre riesigen Kastanien. Die wurden einst als Schattenspender gepflanzt – nicht für potentielle Gäste, sondern fürs Bier, das im Keller lagerte.
Die großen Blätter der Kastanie sollten die Temperaturen niedrig halten und für Kühlung sorgen – zusätzlich zu den Eisblöcken und Eiszapfen, die in den Sommermonaten an Substanz verloren. Irgendwann kam ein Braumeister auf die Idee, seinen Gerstensaft direkt vor Ort auszuschenken und neben Trank auch Speis anzubieten.
Das allerdings wurde verboten, um keine Konkurrenz für die Gasthäuser aufkommen zu lassen. „Früher mussten Besucher ihre Speisen selbst mitbringen und heute erkennt man den echten Biergarten daran, dass Selbstverpflegung erlaubt ist“, erklärt König.
Etwas Geschichte
Die ersten, die hierzulande die Brautätigkeit entdeckten, waren die Mönche – und zwar die Benediktiner von Weihenstephan, die 1040 die älteste Brauerei der Welt gründeten.
Längst ist Weihenstephan Bayerische Staatsbrauerei und unter anderem als international angesehenste Hochschule für Brauingenieure bekannt. Auch im Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee waren es die Mönche, mit denen alles begann.
Wer heute im Bräustüberl direkt am See einkehrt, genießt nicht nur einen herrlichen Blick, sondern spürt auch den Hauch von Geschichte. In Kloster Andechs im Starnberger Fünf-Seen-Land wird seit 550 Jahren gebraut, in Kloster Ettal in den Ammergauer Alpen seit 400 Jahren. Und bereits auf 360 Jahre blickt das renommierte Hofbräuhaus Berchtesgaden am Fuße des Watzmanns zurück.
Im Laufe der Zeit war das Wissen des Klerus durchgesickert und mehr und mehr private Brauereien entstanden. Weil Bier inzwischen als wertvolle Fastenspeise galt (damals mit nur vier Prozent Alkohol, höherem Zuckergehalt und Sättigungswert), genossen sie jede Menge Ansehen. So ist es auch kein Wunder, dass in Murnau die vier Altäre der Fronleichnamsprozession direkt vor den Brauerein aufgestellt wurden.
„Bier half nicht nur, die Fastenzeit zu überbrücken, es war auch billig und es galt als flüssiges Brot“, leitet König die Bedeutung als Grundnahrungsmittel her, die dem Bier noch heute mehr oder weniger ernsthaft zugeschrieben wird.
Die oberbayerische Hallertau als größtes Hopfenanbaugebiet der Welt und Bayern als größtes Braugersteanbaugebiet Deutschlands spiegeln die Bedeutung des hiesigen Brauwesens.
Wenn König hochrechnet, kommt er auf 4000 verschiedene bayerische Biere, die aktuell angeboten werden. Beim Oktoberfest, das am 17. September beginnt, dürfen jedoch nur die sechs Münchner Brauereien ausschenken – und zwar ausschließlich extra gebrautes Oktoberfestbier mit 13,6 Prozent Stammwürze.
Davon werden innerhalb von gut zwei Wochen sechs Millionen Maß getrunken. Vielleicht auch "gegessen".
Weitere Infos rund um das Bier finden Sie in German News unter www.germannews.com/bier/
Quelle: Tourismusverband München-Oberbayern

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