Kuba : Offener Brief aus Havanna - Sorge um die Menschenrechte

Datum 16.03.2006 17:11 | Thema: Politik und Gesellschaft

Jorge Olivera: Offener Brief an die politischen Führer der USA, Kanada und der EU

Mit der heutigen Post hat die German News-Redaktion ein Schreiben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte erreicht, das die Situation für Einheimische in Kuba negativ beleuchtet.

Denn Kuba, wie auch andere Länder in Südamerika, Asien, Afrika und Arabien, ist weiterhin kein Ort wo Menschenrechte und Pressefreiheit den Stellenwert haben, wie er deutschen Urlaubern suggeriert wird.
So soll drei Jahre nach den Massenverhaftungen vom 18. März 2003 die politische Verfolgung in Kuba schlimmer denn je sein.

Wie die IGFM mitteilt, bitten Kubas Bürgerrechtler um Unterstützung der demokratischen Staaten. Einer von Ihnen ist der Journalist Jorge Olivera Castillo (geb. am 8.9.1961).

Auch er wurde am 18. März 2003 verhaftet und zu 18 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Er verbüßte seine Haftstrafe im Gefängnis Combinado Provincial de Guantanamo - 1000 km von seinem Wohnort entfernt. Durch internationalen Druck ist er am 6. Dezember 2004 aber vorzeitig entlassen worden.

Doch die Informationen Oliveras zeigen weiter Einschüchtungsversuche die Reisenden und Regierungen zu denken geben sollte:

In seinem Offenen Brief schreibt Olivera: „Wegen der spürbaren Verschlimmerung der Unterdrückung in Kuba gegen jeden, der seine Rechte gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wahrnehmen will, habe ich mich dazu entschlossen, Ihnen zu schreiben und bitte Sie, heute mehr denn je, um Ihre Solidarität und Unterstützung.

Die Aktionen der Regierung in den letzten Monaten haben eine Stufe erreicht, die man schon als Staatsterrorismus bezeichnen könnte. Banden, unterstützt von der politischen Polizei, haben Schlägereien und Überfälle angezettelt, sowie andere Formen von Angriffen, die nicht weniger alarmierend sind.

Das schlimmste bei dieser Spirale der Unterdrückung ist, dass die Täter straflos ausgehen. Die Opfer, und auch die möglichen Opfer, fühlen sich völlig alleingelassen, da es keine Institution im Land gibt, die ihre Beschwerden behandelt.

Die kommunistische Partei hat 47 Jahre lang ein Monopol über Konzepte wie Heimat, Land und Staat, ohne einen Raum denjenigen Bürgern zu lassen, die gegenüber der gegenwärtigen Ideologie unterschiedlicher Meinung sind. Der Terror, so Olivera, hat eine Dimension erreicht, der die kubanische Familie permanent einschüchtert. Die Schutzlosigkeit und die Grausamkeit der Unterdrücker wurzeln in einer Doppelmoral und auf dem Schweigen der Mehrheit, die sich davor fürchtet, ins Gefängnis zu kommen oder das Stigma "konterrevolutionär" zu erhalten, wodurch man sofort an den gesellschaftlichen Rand gestellt wird und die Strafe des Systems zu spüren bekommt, das auf einem herumtrampelt, ohne daß sich irgend jemand darum kümmert.

Ich bin Zeuge des Missbrauchs und der Grausamkeit.

Ich wurde im April 2003 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, weil ich Journalismus ohne die offizielle Zensur betrieben habe. Sie haben mich trotz meiner Krankheit in eine schwach beleuchtete Zelle gesteckt, in der es von Insekten wimmelte. Ich musste verunreinigtes Wasser trinken und das Essen wurde einem regelmäßig im Zustand der Fäulnis gereicht.

Am 6. Dezember 2004, nach 20 Monaten und 18 Tagen grausamster Behandlung, hat mich die Gefängnisbehörde unverbindlich aus Gründen meiner Krankheit freigelassen. Nun beabsichtigen sie wiederum, mich ins Gefängnis zurückzubringen. Sie erlauben mir und meiner Familie nicht ins Exil zu gehen. Beamte der Immigrationsbehörde verweigern uns ein Ausreisevisum. Das allein schon wirft ein Licht auf das Land, in dem wir leben. Um mich psychologisch zu destabilisieren und meine Dickdarmprobleme zu verschlimmern, haben die Gerichtsbeamte der Stadt, in der ich lebe, mir neue Regeln mitgeteilt, die mich demütigen und erpressen sollen.

Seit dem 21. Februar (2006) ist es mir verboten, ohne die Erlaubnis der Gerichtsbehörde weder die Stadtgrenzen von Havanna zu verlassen noch an irgendwelchen Feierlichkeiten oder öffentlichen Ereignissen teilzunehmen.

Sie wollen mir auch eine Arbeit zuweisen, die vom Gericht ausgesucht wird und bei der mein Benehmen von Mitgliedern der kommunistischen Partei, von politischen Vereinigungen und anderen Personen dieses Zentrums, in das ich zugewiesen werde, überwacht werden soll.

Wenn ich mich weigere, drohen sie mir, mich wieder zurück ins Gefängnis zu bringen. Ihr Vorhaben (ihre Absichten sind) ist willkürlich und unehrlich, weswegen ich um Ihre Aufmerksamkeit bitte, für das, was mir in Zukunft zustoßen könnte.

Ich bitte Sie herzlich Ihr Amt zu nutzen und jene in Kuba, die sich um Versöhnung und einen friedlichen Wandel zu Demokratie und Pluralismus bemühen, Ihr Wohlwollen zu erweisen.“

Hinweis: Sir Peter Ustinov sagte einmal: Ich möchte nur in einem Land leben das ich auch jederzeit verlassen kann.

Dem können wir uns nur anschließen.

Wenn Sie weitere Informationen zu den Bürger- und Presserechten in Kuba erfahren möchten, dann wenden Sie sich an die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, IGFM - Deutsche Sektion e.V., Borsigallee 9, 60388 Frankfurt/Main, Tel.: 069/420108-0, Fax: 069/420108-34 www.menschenrechte.de

Quelle: IGFM







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