Produkttestbericht: Powerline-Ethernet-Adapter Corinex

Datum 29.07.2004 11:29 | Thema: Testberichte


Drahtlos einmal anders

Warum neue Strippen ziehen, wenn die vorhandenen Stromleitungen ebenfalls zur Datenübertragung taugen! Die soliden mitteleuropäischen Wände und Decken sind für WLAN-Signale ohnehin meist nur schwer penetrierbar


Ein Netzwerk ohne Netzwerkkabel aufzubauen war bis dato eine Angelegenheit für drahtlose Technologien á la WLAN, Bluetooth oder HiperLAN/2.

Eine Alternative bietet die Power Line Communications Technologie (PLC) von Corinex, die in gewisser Weise ebenfalls ohne Netzwerkkabel auskommt: Sie nutzt schlichtweg die bereits verlegten Hausstromleitungen als Übertragungsmedium, indem sie die Datenpakete mit dem aus der WLAN-Technologie bestens bekannten Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) im Kurzwellenband auf die Stromstrippen aufmoduliert.

Die Reichweite hängt zwar relativ stark von den örtlichen Gegebenheiten ab, erreicht jedoch selbst unter ungünstigen Umständen bei rund 180 Metern Distanz noch annähernd 0,5 MBit/s.

Die Vernetzung von zwei oder drei benachbarten Räumen ist damit gar kein Problem, etwas schwieriger ist es indes, ein PLC-Netzwerk über mehrere Etagen oder über verschiedene Hausstromkreise hinweg aufzubauen, weil die einzelnen Etagen normalerweise zentral von einem Punkt im Haus aus mit Strom versorgt werden – dem Zählerkasten, und dann können sich die Leitungslängen leicht über das Maximalmass hinaus addieren.

Andrerseits stellt bereits diese Beschränkung bereits einen ersten physikalischen Beitrag zur Sicherheit im Netzwerk dar – schließlich ist es so unwahrscheinlich, dass die PLC-Ethernet-Signale auch beim Nachbarn aus den Steckdosen quellen

Der Powerline-Ethernet-Adapter Corinex Wall Mount CXP-WME für die Wandmontage vereinfacht die Vernetzung zwischen Zimmern einer Wohnung weil er die Stromleitungen zur Datenübertragung mit bis zu 14 MBit/s nutzt.

Die Corinex-Geräte, die auf Chips von Intellon basieren, arbeiten als reine Ethernet-Bridges und kommunizieren untereinander lediglich aus MAC-Ebene (Media Access Control).

104Nur solche Geräte können miteinander kommunizieren, die mit dem gleichen Passwort versehen sind. Vorgegeben ist das jederzeit beim Setup änderbare Passwort „HomePlug“, denn die Corinex-Geräte sind zum Home-Plug-Standard in der Version 1.0.1 kompatibel – und damit zu PLC-Produkten anderer Hersteller, die ebenfalls diese HomePlug-Version unterstützen.

Das Passwort findet als NEC (Network Encryption Key) Verwendung, das ist ein 56-Bit-Schlüssel, der bei der erstmaligen Einrichtung einzugeben ist (und jederzeit geändert werden kann).

Bei der Ersteinrichtung eines Corinex-Home-Plug-Gerätes muss ein Network Encryption Key (NEC) angegeben werden. Voreingestellt ist als NEC „HomePlug“.

Das Corinex-Setup-Tool identifiziert alle Corinex-Geräte in der Reichweite desjenigen Rechners, der mit einem PLC-Adapter ausgestattet ist – und die den gleichen Network Encryption Key aufweisen.

Der Screenshot verdeutlicht, dass die Brutto-Übertragungsrate nicht konstant ist: Sie hängt davon ab, wie weit entfernt die Gegenstelle platziert ist und welche Topologie die Stromverkabelung aufweist

Bei der Suche nach der richtigen Anordnung von Sender und Empfänger hilft der Corinex Diagnostics Kit, bestehend aus Sender und Empfänger: Der Sender, in eine Steckdose gesteckt, funkt laufend Testsignale, die der Empfänger auswertet.

Mit seinen acht Leuchtdioden liefert ein grobes Maß für die Dämpfung und damit für den maximalen Brutto-Durchsatz.

Die weitere Netzwerk-Einrichtung erfolgt unabhängig von den Corinex-Ethernet-Bridges in bekannter Manier, etwa durch manuelle Zuweisung von IP-Adressen (TCP/IP) über Windows oder andere Netzwerkbetriebssysteme – die Corinex-Geräte kümmern sich nicht um die höheren Protokoll-Ebenen, sondern verrichten auf den Schichten 10, 1 und 2 klaglos und im Netzwerk unsichtbar ihren Dienst.

Etwas größer als der WallMount-Adapter fällt der Corinex Powerline Ethernet-Adapter aus, der über ein zweipoliges Stromversorungskabel an einer beliebigen Steckdose angeschlossen wird.

Im Gegensatz zum automatisch zwischen Patch- und Crossover-Kabel unterscheidenden WallMount-Adapter muss am Ethernet-Adapter manuell zwischen diesen beiden Ethernet-Kabeltypen umgeschaltet werden.

Ohne Fleiss kein Preis

Während die Installation auf einem Notebook unter Windows XP Professional reibungslos funktionierte, wehrte sich das zweite zu vernetzende Gerät – ein PC mit Windows XP HomeEdition hartnäckig gegen das Auffinden des angeschlossenen WallMount-Adapters: Das Corinex Setup-Tool der Version 2.2 meldete, dass es keine PLC-Adapter finden könne und basta.

Erst ein Anruf bei der kostenlosen Hotline-Nummer 07000CORINEX brachte Abhilfe: Der freundliche Mitarbeiter empfahl ein Downgrade des Freeware-Programms WinPCAP, das Corinex-Setup-Programm mit installiert, auf die Version 3.1beta ermöglicht es dem Corinex-Setup-Tool, den angeschlossenen Adapter (und damit alle weitern im Strom-Netz erreichbaren) aufzuspüren

Durchsatz und Reichweite

Wir haben mit dem Freeware-TCP/IP-Benchmark WSTTCP den Netto-Durchsatz der WallMount-PLC-Etherent-Adapter von Corinex in einem normalen Vierfamilienhaus aus den 60er Jahren gestestet, dessen Hausstromverkabelung noch ohne separaten Schutzleiter (gelb/grün) ausgeführt ist, und folgende Ergebnisse erzielt:

Dabei ist anzumerken, das Untergeschoss ab Hauptverteiler über eine andere Phase versorgt wird als das Erdgeschoss. Demnach hätten die OFDM-Signale einen Umweg über das nächstgelegene Umspannwerk des lokalen Energieversorgers nehmen müssen – was definitiv nicht möglich ist – oder im Hauptverteiler ist ein so genannter Phasenkoppler installiert, den es im Elektrofachhandel gibt.

Als Phasenkoppler diente in diesem Fall unfreiwillig die an alle drei Phasen angeschlossene Waschmaschine im Keller! Es ist verblüffend, dass unter diesen Umständen überhaupt noch etwas beim Empfänger ankam.

Als unüberwindlich für die OFDM-Signale der Corinex-PLC-Geräte erwies sich übrigens in diesem Kurztest der Überspannungs-Filter SurgeArrest Personal von APC, der das Server-Equipment unseres Testlabors im Souterrain gegen Störungen im Stromnetz absichert.

Preise und Verfügbarkeit

Die Wall Mount Adapter kosten 64,-- EUR inkl. MwSt., der Diagnostik Kit schlägt ebenfalls mit 64,-- EUR zu Buche.

Corinex Produkte vertreiben in Deutschland, Österreich und Schweiz die Firmen Atlantik Systeme, Kraftcom, Innoware, Amazon und Easy4Living.

Fazit: Wireless ohne Funk funktioniert prima, wenn…

Die Vernetzung ohne Netzwerkkabel funktioniert dem ersten Anschein nach verblüffend gut und stabil. Der zu Nettodurchsatz erreicht zwar kein Rekord-Niveau, reicht jedoch für die Verteilung von Netzwerkpaketen mit xDSL-Tempo allemal aus – etwa für den Anschluss eines Video-Web-Servers zu Überwachungszwecken oder zum Anfahren eines WLAN-Access-Points an einem sonst nur schwer zugänglichen Standort.

Doch wie bei den Funktechnologien WLAN oder Bluetooth müssen sich die angeschlossenen Geräte die verfügbare Bandbreite untereinander aufteilen, wenn keine Maßnahmen zur Segmentierung des Netzwerkes ergriffen werden.

Dabei könnte sich der mit 700 Meter weitaus reichweitenstärkere CableLAN-Ethernet-Adapter CXC-ETH-2.5 als hilfreich erweisen: Er nutzt die vorhandenen Antennekabel zur Übertragung von Ethernet-Paketen über Entfernungen bis 700 Meter und wäre damit besonders für die Vernetzung über Etagen hinweg geeignet.

Die integrierten Sicherheitsmassnahmen erreichen das Niveau klassischer WLAN-Komponenten, die Handhabbarkeit übersteigt die Möglichkeiten von Otto-Normalverbraucher nicht. Wir halten die Corinex-Technologie für so interessant, dass wir sie an dieser Stelle in einem weiteren, ausführlichen Test unterziehen werden.

Insbesondere interessieren uns der Powerline-Etherent-USB-Adapter CXP-USB-2.5, der Wireless to Powerline Access Point CXP-WLA-2.5 und der CableLAN-Adapter CXC-ETH









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