
Der Film des Jahres: Patrick Süskinds Romanerfolg „Das Parfum“
Datum 27.09.2006 14:50 | Thema: Film
| Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Seit der Weltpremiere am 7. September in München ist der Film "Das Parfum" der Kinohit und Film des Jahres nicht nur in Deutschland.
Die Romanfigur Grenouille wäre bei diesem Dreh wohl von einem olfaktorischen Rausch in den nächsten verfallen. Sein absoluter Geruchssinn hätte mehrere Tonnen Fischabfall in den Altstadtgassen von Barcelona in ihre Duftmoleküle zerlegt, mit Jauche, Lehm und Dreck bespritzte Wände erschnüffelt und den Schweiß Hunderter Komparsen.
All dies diente dem höheren Zweck, das Paris des 18. Jahrhunderts für die Kinoleinwand zu neuem Leben zu erwecken. In der französischen Provence hätte Grenouille aber auch den betörend-intensiven Duft der Lavendelfelder inhalieren dürfen und bei Bavaria in München die womöglich trockene, von Scheinwerfern erhitzte Studioluft. In 75 Drehtagen hat Regisseur Tom Tykwer an diesen Orten den erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Roman in Filmszenen übersetzt: „Das Parfum“ von Patrick Süskind.
Die Geschichte handelt von dem schweigsamen Sonderling Jean-Baptiste Grenouille, der 1738 „am allerstinkendsten Ort“, im Unrat des Pariser Fischmarkts, zur Welt kommt, einen übersinnlich feinen Geruchssinn besitzt und der schließlich zwei Dutzend junge Frauen ermordet, um aus ihnen die ultimative Duftessenz zu gewinnen. Den Duft der Liebe, den Duft, der Macht über andere Menschen verleiht – den Duft, der Grenouille schließlich in Stücke reißen wird.
Ein literarischer Thriller, ein düsteres Märchen, ein Roman mit Sogkraft, der in Deutschland nach seinem Erscheinen 1985 ungeschlagene neun Jahre auf der Bestsellerliste stand, in 42 Sprachen zu lesen ist und weltweit 15millionenmal verkauft wurde.
Ein Buch, das aber auch als nicht verfilmbar galt. Zum einen lautete so das Urteil des großen Stanley Kubrick. Die feinsinnige Beschreibung der Düfte, von denen der Roman lebt – wie soll man die ins Bild setzen? Zum anderen wollte Autor Süskind, dessen kauziges Image schon selbst als Filmstoff diente, die Rechte sowieso überhaupt nicht verkaufen. Wer hat sich nicht alles für sie interessiert, auch die Hollywoodgrößen Scorsese und Spielberg, und alle, alle ließ Süskind abblitzen.
Fast zwei Jahrzehnte lang. Dann muss ihn der hartnäckige deutsche Produzent Bernd Eichinger („Der Name der Rose“, „Der Untergang“), dessen gute Nase für Filmstoffe schon seit Jahren die Witterung des „Parfums“ aufgenommen hatte, doch irgendwie überzeugt haben. Vielleicht mag dabei auch die Fabelsumme von 10 Millionen Euro, von denen die Rede ist, eine Rolle gespielt haben.
Als Regisseur gewann Eichinger Tom Tykwer, der mit „Lola rennt“ in den späten Neunzigern dem deutschen Film neues Tempo gab. Tykwer sei der Richtige, gibt Eichinger zu Protokoll, weil er eben keinen reißerischen Thriller aus dem Stoff machen wollte, sondern sich vor allem für die Psychologie Grenouilles interessierte.
Nach drei Jahren Vorbereitungs- und Drehzeit kommt „Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders“ am 14. September in die deutschen Kinos. Es gibt wohl kaum eine Romanverfilmung, bei der ein großes Publikum mehr eigene Bilder im Kopf hat. Nicht die beste Voraussetzung.
Die ersten Trailer und Setfotos aber sind verlockend: Dunkel-geheimnisvolle Szenen im Kerzenlicht, eine bildschöne junge Frau mit wallendem roten Haar und alabasterblasser Haut (Rachel Hurd-Wood als Grenouilles letztes Mordopfer Laure Richis), eine bis in die Beschriftung der Parfumphiolen und den spätbarocken Schmuddel hinein detailverliebte Ausstattung und Kulisse.
Staraufgebot im Film "Das Parfum"
Mit einem großen Staraufgebot besetzte Tykwer die Nebenrollen: Dustin Hoffman gibt den Parfumeur Baldini, der Grenouille beibringt, wie man Düfte destilliert und haltbar macht. Der Brite Alan Rickman – Professor Snape in „Harry Potter“ – spielt ebenso mit wie aus Deutschland Corinna Harfouch und Jungstar Jessica Schwarz.
Die noch eher unbekannte Karoline Herfurth bekam die Rolle von Grenouilles spontaner großer Liebe: Sie ist das Mirabellenmädchen, mit dem Grenouilles Mordserie und die verhängnisvolle Suche nach dem Duft der Düfte überhaupt erst ihren Anfang nimmt.
Und wer spielt nun die Hauptrolle? Süskinds abgründigen, genial-abscheulichen „Zeck“, „zwar hässlich, aber nicht so hässlich, dass man vor ihm hätte erschrecken müssen“? Die Suche nach dem passenden Grenouille sei „so ziemlich das Schwierigste an dieser Produktion“ gewesen, gibt Tykwer zu. Anderthalb Jahre haben Produzent Eichinger und er nach dem richtigen Schauspieler gesucht.
Ben Whishaw in der Rolle des genial-abgründigen Grenouille
Im Gespräch waren Stars wie „Titanic“-Goldlocke Leonardo DiCaprio und „Chocolat“-Beau Johnny Depp, auch die Mädchenschwärme Orlando Bloom und Jude Law sollen unter den Wunschkandidaten gewesen sein.
Aber die finstere Rolle ging schließlich an den britischen Theaterschauspieler Ben Whishaw. Einen bemerkenswerten Hamlet soll er in London gespielt haben, sonst weiß man noch nicht sehr viel über den 26-Jährigen, der nun als monströser Grenouille in die Filmgeschichte eingeht.
Und wie hat Tykwer das andere große Problem gelöst, dass die eigentlichen Hauptdarsteller, die Düfte, schlichtweg unsichtbar sind? Darauf hat der Regisseur sich eine Antwort parat gelegt, die zumindest im ersten Moment entwaffnet: „Das Buch hat schließlich auch nicht gerochen.“
Quelle: Mediencorner / Deutschland magazine www.magazine-deutschland.de Autorenquelle: Janet Schayan Foto: Constantin Film München
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