
Biertrinker kommen an Franken nicht vorbei
Datum 21.06.2007 17:44 | Thema: Bier / beer
| Spezialitäten aus dem Sudkessel – Brautradition und Biererlebnisse in Franken
Sattgolden schimmert es im Glas, gekrönt von weißem Schaum, ein Versprechen für süffige Erfrischung: So präsentieren sich Frankens Biere dem Genießer, der hier bei der höchsten Brauereidichte Europas die große Auswahl zwischen charaktervollen Sorten hat.
Vom Hellen bis zum Bock, vom Märzen bis zum Festbier, vom Pils bis zu Spezialitäten wie dem Bamberger Rauchbier oder dem Kulmbacher Eisbock – Frankens Braumeister verstehen es, Wasser, Hopfen und Malz zu süffigen Meisterwerken zu veredeln. Auch weltweit gesehen hält Franken einen Rekord: Mit vier Betrieben ist Aufseß in der Fränkischen Schweiz die Gemeinde mit den meisten Brauereien pro Einwohner. Brauen mit Gemeinschaftssinn
Typisch für Frankens Braukultur ist das Kommunbrauwesen, das im 15. Jahrhundert seinen Anfang nahm: Brauten die Bürger vorher ihr Bier bei sich zu Hause, gab es nun gemeindeeigene Brauereien, die diese Aufgabe gegen ein „Kesselgeld“ für die Bürger übernahmen.
Noch heute dampfen in Neuhaus an der Pegnitz, Rossach, Seßlach und Rossfeld die Sudkessel in den Kommunbrauhäusern. Auch die Gasthausbrauereien sind aus Franken nicht wegzudenken. Sie brauen ausschließlich für den Ausschank in der eigenen Gaststätte; zum Teil mit einem Jahresausstoß unter 1000 Hektolitern.
Eine fränkische Besonderheit war auch das „Flindern“, das den Bürgern den Bierausschank im eigenen Haus erlaubte. In Pegnitz in der Fränkischen Schweiz etwa wurde im Jahr 1728 vereinbart, dass im Sommer jeweils drei Bürger pro Woche ihr Bier aus dem Kommunbrauhaus ausschenken dürfen.
War dieser Zeitpunkt gekommen, so hängten diese grüne Zweige und eine aufgeblasene Schweinsblase an ihrer Eingangstüre auf – das „Signal“ zum Flindern. Auch wenn sich das Flindererrecht im Lauf der Jahre verändert hat, sind diese beiden Zeichen in Pegnitz immer noch zu finden.
Noch bis zum 2. Juli laden wöchentlich wechselnde Gaststätten zum „Flindern“ ein. Zum etwas stärkeren Flindererbier aus den örtlichen Brauereien wird bei Kesselfleisch, Brat- oder Blutwürsten deftig geschlemmt.
Der Bierkeller - Sommerfrische für das Bier
Warmes Bier wäre im Sommer für so manchen Gast und Bierkenner ein Graus. Damit das Bier im Sommer kühl und frisch gehalten werden kann, ließen die Brauer früherer Jahrhunderte in den nahen Wäldern tiefe Keller in den Fels schlagen. Große Mengen von Natureis, das im Winter aus den Flüssen und Seen geschlagen wurde, kühlten das Bier, das in den Kellern in Ruhe reifen konnte.
Um die Wärme noch besser abzuhalten, wurde Kies auf die Felsenhöhlen gestreut und Bäume gepflanzt. Was lag da näher, als in ihrem Schatten das kühle Bier gleich auszuschenken - und noch heute geht man nicht nur in Franken mit Begeisterung „auf den Keller“. Beste Gelegenheit dazu bieten etwa der Bamberger Michaelsberg oder der Erlanger Burgberg. Solche Bierkeller finden sich aber nicht nur mitten im Grünen. In Nürnberg wurden die Keller direkt unterhalb der mächtigen Kaiserburg in den Sandstein gehauen.
Anstich für die Festsaison
Bei soviel Tradition ist es selbstverständlich, dass auch das Feiern in Franken fest dazu gehört. Kronach (15. Juli), Egloffstein (28. Juli), Eichstätt (3. bis 4. August), Aufseß (6. und 7. Oktober) oder Spalt (20. Oktober) sind nur einige Beispiele für eine lebendige Bierfestkultur.
In Titting in Naturpark Altmühltal ist das diesjährige Kellerfest vom 17. bis 19. August Teil eines großen Geburtstagsfestes. 300 Jahre wird die dortige Brauerei im schmucken Wasserschloss alt.
Untrennbar mit den Bierkellern verbunden ist das Forchheimer Annafest (21. bis 30. Juli). Seit 1840 werden die über 20 Bierkeller im Kellerwald zum Schauplatz von Musik, buntem Treiben und zahlreichen Fahrgeschäften. Der Ursprung des heute so ausgelassenen Annafestes stand übrigens unter einem religiösen Stern: Wenn die Forchheimer auf dem Rückweg von der Wallfahrt zur Heiligen Anna bei einem kühlen Bier im Kellerwald rasteten, kamen ihnen die Daheimgebliebenen mit Brotzeit entgegen.
Feste Größe im Festkalender: die Kirchweih
Eine große Rolle spielen in Franken die Kirchweihen, die als „Kerwa“ überall im Urlaubsland gefeiert werden. Im besonders schönen Ambiente begehen die Bamberger ihre „Sandkerwa“ (23. bis 27. August). Dieses Volksfest spielt sich wirklich „Im Sand“ ab - so heißt der Bamberger Stadtteil, der sich mit seinen vielen kleinen Fachwerkhäuschen am Ufer der Regnitz erstreckt.
Eine „Berühmtheit“ unter den fränkischen Kirchweihen ist die Fürther Michaeliskirchweih (29. September bis 14. Oktober). Ein Bierzelt sucht man auf dieser größten Straßenkirchweih Bayerns vergebens: Die „Michels-Kerch“ findet mitten in der Fürther Innenstadt und damit auch in den Wirtshäusern statt. Ihr Höhepunkt ist der traditionelle Erntedank-Festzug am 7. Oktober – und da Fürth 2007 seinen 1000. Geburtstag feiert, werden beim Umzug historische Motive aus der Stadtgeschichte zu sehen sein.
Ausnahmezustand in der „Hauptstadt des Bieres“
Viel Biergenuss, deftige Spezialitäten und Musik locken jedes Jahr Tausende von Besuchern zur Kulmbacher Bierwoche (28. Juli bis 5. August).
Sie kommen nicht zuletzt wegen des hervorragenden Festbieres, von dem die Kulmbacher Braumeister gleich drei Sorten brauen. Nicht entgehen lassen sollte man sich bei der Eröffnung der Bierwoche den mittelalterlichen Zunfttanz der Kulmbacher Büttner. Das ganze Jahr über lädt Kulmbach als „heimliche Hauptstadt des Bieres“ ins Bayerische Brauereimuseum ein; eine der bedeutendsten Sammlungen zur Biergeschichte ist hier im historischen Mönchshof zu sehen.
Der Rundgang führt von den Anfängen der Brauwirtschaft bis zur heutigen Brautechnik. Hören, Riechen und Schmecken spielen dabei eine große Rolle - und natürlich das Probieren: In der „Gläsernen Brauerei“ krönt ein Probeschluck Museumsbier den Rundgang.
Museumsbesuch in der Mälzerei
In Bamberg beherbergt das Fränkische Brauereimuseum auf dem Michaelsberg in seinen Kreuzgewölben Sud- und Kühlhaus, Gär- und Eiskeller, Mälzerei und Büttnerei. In der historischen Museumsgaststube wird zu abwechslungsreichen Seminaren gebeten. Hier schulen Biergenießer ihre sensorischen Fähigkeiten, kosten die Kombination von Bier und Küche oder erkunden die „Bierapotheke“.
Am 30. Juni findet der Brauereimuseumstag mit viel Kulinarischem rund ums Bier, Büttnern, Schnapsbrennern und Bierfilmen statt. Auch zu Fuß lässt sich Bambergs Bierkultur herrlich entdecken: Bei der „BierSchmeckerTour“ hält man sich wahlweise rechts oder links der Regnitz und macht – gut mit Biergutscheinen und Informationen ausgerüstet – Station in Brauereien und -gasthöfen.
Bier- und Wirtshausgeschichte aus nächster Nähe sind die Spezialität der großen fränkischen Freilandmuseen. Im Freilandmuseum Fladungen genießen Sie süffige Erfrischungen im historischen Museumswirtshaus – eine hervorragende Gelegenheit dazu ist der Museums-Bieranstich am 24. Juni 2007.
Rund um ein 150 Jahre altes Kommunbrauhaus drängt sich die Geschichte im Freilandmuseum Bad Windsheim bei der Führung „Brauen in Franken“ (8. und 9. September) oder bei den regelmäßig stattfindenden Brautagen.
Damit ist die Reihe der fränkischen Biermuseen aber noch lange nicht zu Ende. Bayreuth ist Heimat des Maisel’s Brauerei- und Büttnerei-Museums, das BB-Brauerei-Museum in Hof zeigt echte Raritäten des Brauerhandwerks und im Brauer- und Büttnermuseum in Weißenbrunn lockt der Gegensatz von Groß und Klein: Ein 14.000 Liter fassendes Bierfass misst sich hier mit der weltweit kleinsten funktionstüchtigen Brauerei.
In Spalt setzt das Hopfen- und Biermuseum dem begehrten Spalter Aromahopfen ein Denkmal und in Pleinfeld führt ein Besuch des Heimat- und Brauereimuseums in das ehemalige Vogteischloss. Ein erfrischender Besuch ist im Beilngrieser Brauereimuseum garantiert. Es befindet sich in den kühlen Gängen eines Felsenkellerlabyrinths.
Die schönsten Wege zur Bierkultur
Ganz unmittelbar lässt sich die „Aischgründer Bierstraße“ zwischen Bad Windsheim und Uehlfeld erkunden.
Zur Auswahl stehen ein „Bierradweg“ (55 km), ein „Bierwanderweg“ (50 km), und verschiedene Arrangements. Gerade bei letzteren ist man ganz gemütlich in der Pferdekutsche vom Anzapfkurs zur Brauereiführung und vom Bierseminar zur köstlichen „Brauerplatte“ in einem typisch fränkischen Wirtshaus unterwegs.
Rohstoffkunde und Brauwissen stehen auf dem „Stundenplan“ vieler weiterer Bierseminare in Franken. Zum heimischen Bierbrauen befähigt etwa der „Große Braukurs“ in Pleinfeld, in Kulmbach unterzieht man sich der „Zapferprüfung“ oder man legt in Pottenstein das „Zapferdiplom“ ab. Tipps für aktive Biergenießer sind auch die „Brauereien- und Bierkellertour“ mit wahlweise 61 oder 202 Kilometern Streckenlänge durch die Fränkische Schweiz und den Steigerwald sowie die 16 Kilometer lange „Waischenfelder Brauereiwanderung“.
Auch mit dem Auto erfährt man in Franken Bierkultur: Zwischen Gräfenthal und Pegnitz verläuft der fränkische Abschnitt der „Bier- und Burgenstraße“.
Mehr zum Thema Bier in Franken verrät die 44 Seiten starke Broschüre „Meister der Braukunst. Erlebnisse rund ums flüssige Gold“, die kostenlos über den Tourismusverband Franken erhältlich ist.
Kontaktadresse: Tourismusverband Franken e.V., Postfach 440453, 90209 Nürnberg, Telefon 0911/94151-0, Fax 0911/94151-10, info@frankentourismus.de www.frankentourismus.de
Quelle: Der Franken-Reporter
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